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Mit Kindern in Marokko – die Königsstadt Marrakesch und Agadir

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Cafe im Herzen von Marrakesch„Inshallah“, verabschiedet uns der nette Taxifahrer und betont mit ausholender Gestik die tiefgreifende Bedeutung dieses Satzes.

„Na am, inshallah, shukran“, ( Ja, so Gott will, danke) verabschiedet sich mein Mann mit einem kräftigen Handschlag, während ich mich schon mit den Kindern abwende und wir unseren Weg in die Stadt zu Fuß fortsetzen.

In den Souks von Marrakesch

In den Souks von Marrakesch

Die Redewendung  „inshallah“ begleitet uns schon seit zwei Wochen und selbst meine Kinder verstehen die Bedeutsamkeit dieses Satzes und wenden ihn selbst bei jeder Gelegenheit an, was die Einheimischen mit großer Freude zur Kenntnis nehmen. Daneben haben sie gelernt sich auf arabisch zu Bedanken, was ebenfalls immer mit einem herzlichen Lächeln oder – wenn es sich um das gleiche Geschlecht handelt – körperlichen „Übergriffen“ beantwortet wird. Im europäischen Kulturkreis würde man es eher als kuscheln und küssen bezeichnen.  Unsere Kinder sind jedoch mittlerweile in einem Alter angekommen (8 und 10), in dem das Fremdkuscheln nicht mehr so gut ankommt, weshalb sie nach kurzer Zeit das Bedanken uns überlassen.

Marrakesch Museum

Marrakesch Museum

Wir sind wieder in Agadir angekommen und suchen mit unseren schweren Rucksäcken in brütender Mittagshitze nach einem Zimmer für die Nacht. Unsere Kinder sind selbstverständlich schlecht gelaunt, denn es ist sehr heiß, unsere Tochter hat Durst, der Sohn möchte auf keinen Fall laufen und überhaupt. Warum haben wir kein Zimmer reserviert, so wie am Anfang der Reise? Lautstark meckert sich unser Sohn durch die City und ich habe schon leichte Befürchtungen, dass irgendwann ein aufgebrachter Marokkaner unseren Filius zur Rede stellt, was er sich denn erlaubt, in diesem Ton mit seinen Eltern zu reden. Denn es ist auch ohne Deutschkenntnisse unschwer zu erkennen, dass unser Kind vorlaut zu seinen Eltern ist und das ist im islamischen Kulturkreis ein schweres Vergehen. Gott sei Dank oder inshallah ernten wir nur böse Blicke und zerren unsere Kinder mit laut ausgesprochenen „Hat Hat“-Rufen durch Agadir, was ebenfalls verstörte Blicke nach sich zieht, weil man mit diesen Rufen hier üblicherweise seine Kamele vor sich her treibt.

Natürlich hat die Zimmersuche im Nachhinein betrachten – dank unseres guten Reiseführers – gar nicht so lange gedauert, aber unseren Kindern kam es wieder einmal unendlich vor. Ich muss auch zugeben, dass wir auf dieser Reise bisher einiges von ihnen abverlangt haben, sodass ich das Meckern und Bocken der beiden sehr gut verstehen kann und es daher geduldig über mich ergehen lasse.

Seifen auf dem Markt

Seifen auf dem Markt

Vor knapp einer Woche erlebten wir die gleiche Suchaktion in Marrakesch. Nur hatten wir dort nicht über dreißig Grad, sondern weit über vierzig. Aus diesem Grund checkten wir schon im zweiten Hotel ein, das in unserem Reiseführer stand. Mein Mann feilschte sich schon einmal warm, was uns ein schönes Dreibettzimmer zu einem akzeptablen Preis bescherte. Der kleine Pool im schattigen Innenhof kam bei unseren Kindern sehr gut an und ich freute mich wie Bolle über das kontinentale Frühstück, da damit gesichert war, dass meine Kinder in dieser Woche nicht verhungern würden. Toast mit Marmelade geht immer. Marokkanisches Essen dagegen wurde bisher strikt verweigert, was ich ehrlich gesagt auch ein bisschen verstehen kann. Wer allerdings von Rind, Schaf und Ziege gerne Kopf und Huf isst und nicht ausgenommenen Fisch als exotische Gaumenfreude betrachtet, der ist in Marokko bestens aufgehoben. Wir ernährten uns jedoch bisher meist von Gemüsecouscous und Fladenbrot.

Ehem. Koranschule in Marrakesch

Ehem. Koranschule in Marrakesch

So wie die Nahrungsumstellung für unsere Kinder ein Problem darstellt, so können sie sich mit den kulturellen Gepflogenheiten nicht anfreunden. Weniger Kulturschock, aber dennoch gewöhnungsbedürftig sind die marokkanischen Geschäftsgebaren in den Souks (Märkten). Da betritt man eine fremde und faszinierende Welt, in der alles um einen herum glitzert und funkelt, angenehmer süßherber Duft steigt einem in die Nase und tausend leuchtende Farben rauben einem fast die Sinne. Und was darf man in diesem Fall auf keinen Fall tun? Nach rechts und links schauen. Widersteht man doch einmal der Versuchung, so hat man schon verloren und auf den nächsten fünfhundert Metern einen immer freundlich grinsenden Verkäufer an der Backe kleben, der nur unter der Androhung seines baldigen Ablebens von einem ablässt. Solche brutalen Äußerungen haben wir den netten Marokkanern selbstverständlich nicht an den Turban geworfen, hatten aber alle Hände voll zu tun, möglichst schnell durch die Gassen zu huschen, um uns den eisigen „Griffen“ der Händler zu entziehen. Entspanntes Bummeln und Shoppen sieht anders aus. Schade eigentlich, denn die Basare in Marrakesch sind bezaubernd schön.

Dennoch sehen wir auch die Schattenseiten der orientalischen Königsstadt im Hohen Atlas Gebirge. Zahlreiche Bettler bevölkern die Straßen und sprechen die Passanten direkt auf Geld an. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man sehr gut auf seine Wertsachen aufpassen. Die Kriminalitätsrate in Marrakesch ist erschreckend hoch.

Die Altstadt von Marrakesch ist mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen gespickt. Nicht zuletzt deshalb wurde sie 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass diese Sehenswürdigkeiten bei zwei Heranwachsenden gut ankommen. Mit einem orientalischen Museum oder einer alten Koranschule kann man unsere zwei Halbwüchsigen wenig begeistern. Auch eine jahrhundertealte Stadtmauer oder wunderschön verzierte und getäfelte Hauseingänge reißen die beiden nicht vom Hocker.  Es gibt eigentlich nichts, was sie so richtig begeistert. So trotten sie meist gelangweilt hinter uns her und freuen sich, wenn sie zur Abwechslung auf eine streunende Katze treffen, die sie fasziniert beobachten. Aus Mangel an kindgerechten Sehenswürdigkeiten dürfen unsere Kinder einmal auf Kamelen reiten und – jetzt bitte nicht weiterlesen – zu Mac Donalds gehen, wo sich zu unserem Erstaunen die privilegierte marokkanische Jugend trifft.

Bin ich nicht eine Schönheit von Kamel?

Bin ich nicht eine Schönheit von Kamel?

So ist es nicht verwunderlich, dass unsere Kinder nach fast einer Woche orientalischer Stadtbesichtigung neben ihren schweren Rucksäcken schlechte Laune mit sich herum schleppen. Umso mehr freuen sie sich jetzt auf die letzten Tage am Strand von Agadir. Dort dürfen sie unbeschwert toben, Sandburgen bauen, können mit ihrem Board auf den Wellen reiten und unseren mitgebrachten Drachen steigen lassen. Eben einfach Dinge tun, die Kinder in diesem Alter schön finden. Und für den nächsten Urlaub haben meine beiden mir zwei Versprechen abgerungen: Wir gehen in ein supertolles Erlebnis-Schwimmbad und in einen wirklich abenteuerlichen Freizeitpark. Wenn das nicht mal ein kindgerechter Urlaub wird!

Djemaa el Fna am Abend

Djemaa el Fna am Abend

 

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