Reise-Kids

Mit Kindern die Welt entdecken

Interview mit der Outdoorfamilie Anita und Jakob Maercker

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Jakob und Anita Maercker reisen schon seit vielen Jahren mit ihren beiden Söhnen auf individuelle Weise durch die Welt. Immer ganz nah an der Natur und mit einer Vorliebe für die einfache Art des Reisens, entdecken sie ihre Reiseländer. Das Fahrrad und die eigenen Füße sind dabei die bevorzugten Fortbewegungsmittel der Familie. Auch die Übernachtungsform, welche die abenteuerlustigen Vieren auf ihren Reisen wählen, ist naturnah und auf jeden Fall kindgerecht – Zelten. Ich freue mich, euch eine sehr interessante und echte Outdoorfamilie vorstellen zu dürfen:

Jakob, du bist Geograph und arbeitest in einem geographischen Institut. Wie sehr beeinflusst dein Beruf eure Reiseziele und eure Art zu Reisen?

Meine Arbeit beeinflusst unsere Reiseziele nur im geringen Ausmaß. Aber die Art der Reisevorbereitung  hat schon viel mit meinem Beruf als Geograph zu tun. Ich lese eigentlich nie Reiseführer sondern studiere vorab intensiv Karten und Klimadaten des Reisezieles und „erforsche“ so mögliche Fahrradrouten und Wanderstrecken.

Hast du persönlich eine Vorliebe für bestimmte Gebiete oder Länder mit bestimmten landschaftlichen Besonderheiten?

Ja eine gewisse Vorliebe habe ich für alles, das nicht hoch bewachsen ist, wie z.B. das isländische Hochland oder auch die Wüsten auf der arabischen Halbinsel. Man sieht  einfach mehr von den Landschaften – heißt aber nicht, dass ich keine Wälder mag!

Was reizt dich an Skandinavien? Mit den Kindern wart ihr ja schon mehrfach in Schweden, Dänemark, Norwegen und Estland.

Man findet schnell einsame Natur und kann bei Bedarf auf eine gute Infrastruktur zurückgreifen. Man kann sogar von zu Hause mit dem Rad hinfahren, so wie wir es letztes Jahr gemacht haben 😉

Grenzenlose Weite in Skandinavien

Spielt das Klima für dich als Reisevater eine Rolle bei der Wahl des Reiseziels? Was denkst du, welches Klima man Kindern in den verschiedenen Lebensphasen zumuten kann? Und wie weit kann man seine Kinder bezüglich des Wetters unterwegs fordern? Gibt es da für dich Grenzen, bei denen du sagen würdest: Das ist zu hart für Kinder?

Wir wollen uns selbst nicht „quälen“, also ist der Orient im Sommer für uns ausgeschlossen, da einfach zu heiß. Eine Wintertour ist da schon eher denkbar. Das haben wir aber noch nicht gemacht. Das ist auch eine Frage der Ausrüstung, bzw. des Gepäcks, besonders wenn man zeltet und keine feste Unterkunft hat. Es ist nicht ganz einfach, ständig warm zu bleiben in der Kälte. Mit den Kindern würde ich gerne im Winter in Skandinavien auch mal eine Skitour unternehmen, aber nur mit festen Unterkünften. 

Ihr liebt ganz besonders die naturnahen Reiseformen und bereist meist auf sehr einfache Art und Weise eure Reiseländer- und ziele, d.h. ihr unternehmt mit euren Kindern Streckenwanderungen fernab der Zivilisation oder seid mit dem Fahrrad unterwegs. Ist das in erster Linie deine Passion mit der du deine Familie angesteckt hast, oder haben alle Familienmitglieder diese Abenteuerlust im Blut? Oder anders gefragt: Wer musste wen für diese Reiseform begeistern?

Wir waren froh, uns mit diesen gemeinsamen Interessen gefunden zu haben. Ja, es ist geteilte Passion und für uns war klar, dass das auch mit Kindern geht. Wir überlegen uns meist das Reiseziel, begeistern die Kinder dafür und richten uns vor Ort komplett nach ihnen mit den Pausen und wann und wo das Zelt aufgebaut wird. Die Kinder haben ja nicht wirklich eine Wahl mit uns als Eltern, sie wollen aber auch von sich aus immer wieder mit und fragen, wann es wieder losgeht, wohin, etc. – also haben wir sie vielleicht „angesteckt“. Für Urlaube mit Oma und Opa im Hotel oder einer Ferienwohnung (mit Bahn-Anreise) sind sie aber auch immer zu haben, gern  mit Buffet am Morgen und Abend 😉 !

Als die Jungs mit dem Legoland-Wunsch kamen und Anita begeistert sagte, dass wir da auf jeden Fall hinfahren – mit den Rädern „sind 1000 km, schaffen wir in 10 Tagen“ – waren sie auch begeistert, stellten die Tour nie in Frage. Wir konnten es zum Glück auf vier Wochen ausweiten und hatten eine traumhafte, intensive gemeinsame Zeit. http://www.bike-nord.de/daenemark/daenemark14.html

Mit dem Rad und kids on tour.

Wie gehen die Kinder mit eurer Art zu Reisen um? Muss man sie motivieren oder sind sie ohne ein Zutun fürs Wandern oder Radeln zu begeistern?

Für Radtouren muss man sie nicht extra motivieren, dafür sind sie leicht zu haben – wie oben schon beschrieben. Mittlerweile wägt Malte gern ab, ob es vielleicht doch mit Inlinern geht – das ist seit über einem Jahr sein Fortbewegungsmittel Nummer 1. Am liebsten wäre er damit auch „nach“ Legoland gefahren, hat aber recht schnell gemerkt, dass dafür dann doch die Kraft fehlen würde.

Mittlerweile ist es schwieriger mit der Motivation für Wanderungen, egal ob kurz oder lang. Da müssen wir uns immer wieder etwas einfallen lassen.  Am einfachsten geht es mit Freunden der Jungs. Die Wege müssen spannend sein, Asphalt geht gar nicht, breite Wege sind auch nicht so einfach. Ganz oft ist einfach nur das loskommen schwierig, die ersten Schritte mit Genöle und Gefluche, aber irgendwann sind sie abgelenkt und dann kaum noch zu bremsen.

Was sollte eine Familie, die zum ersten Mal mit ihren Kindern ernsthaft Wandern oder Fahrradtouren unternehmen möchte vor Reiseantritt auf jeden Fall beachten? Worin liegt die Herausforderung bei Outdoortouren mit Kindern?

Nicht zu viel Planung, flexibel sein, Spaß haben! Die Eigenen Ziele massiv herunterschrauben, damit leben, wenn es beim Wandern nur 5 km werden – das war für Anita eine ganz schöne Umstellung. Tolle Pausen sind auch wichtig, eine weitere zulassen, wenn zwei tolle Stellen aufeinander folgen und die Kinder einfach sooo gern noch verweilen wollen. Den Kindern was zutrauen und einfach probieren, spannende Wege – felsiges, neben einem Bach fürs Wandern zum Beispiel. Für Fahrradtouren, wie auch Wanderungen, sind Ziele gut – eine Fähre, ein See, die Ostsee, eine Eisdiele, oder eben Legoland. Wir machen Mehrtagestouren nur mit Zelt – so kommen wir manchmal viel weiter oder kürzer als gedacht und können Pausentage einlegen, wie wir es wollen. Als die Kinder kleiner waren haben wir gemerkt, dass es ihnen gut tut, erst das Zelt aufzubauen, dann zu kochen etc.

Später haben sie angefangen, immer mit in die Karte zu schauen, bekamen auch das GPS Gerät, wenn wir es dabei hatten – und hatten sehr viel Spaß damit, merkten gar nicht, wie weit sie überhaupt wanderten.

Nicht denken, dass man das ganze Gepäck nicht fort bekommt – einfach nur die Hälfte des allernötigsten mitnehmen und zur Not improvisieren.

Was hältst du als erfahrener Outdoorer bezüglich Ausrüstung für Kinder beim Wandern und beim Radfahren als unbedingt erforderlich?

Die Kinder müssen sich wohl und sicher fühlen. Auf größeren, (mehrtages) – Wanderungen hatten die Kinder meist Wanderschuhe an, bei wechselhaftem Wetter vorwiegend Wolle/Wolle-Seide Shirts – die sind temperaturausgleichend, halten auch warm, wenn sie nass sind und die Kinder können sie etliche Tage tragen, ohne dass sie schmuddelig werden, trocknen schnell usw. – das spart uns Eltern Gepäck. Unsere Kinder hatten keine Rucksäcke bei unseren Wanderungen, wir Eltern konnten allerdings auch immer alles schleppen (25-30 kg pro Rucksack). Für die Kinder hatten wir immer in passender Größe Daunenschlafsäcke dabei – wie auch für uns. Sie haben ein kleines Packmaß, sind leicht und bieten eine tolle Wärme.

In Schweden fanden wir den Mückenschutz für die Köpfe unentbehrlich – das bringt aber alles nichts, wenn die Kinder sich das immer wieder vom Kopf reißen, bzw. gar nicht erst zulassen, dass es über den Kopf kommt. Am Ende waren sie auch nicht ganz glücklich mit den vielen Mückenstichen, dafür durften sie diese Viecher beschimpfen ohne Ende.

Da wir viel auf Rädern unterwegs sind, waren uns gute, robuste und leichte Räder für die Kinder wichtig – in dieser Kombination nicht leicht zu finden, aber möglich. Anfangs hatten die Kinder auch keine Fahrradtaschen auf Touren bekommen. Irgendwann besaßen wir genug Taschen und die Kinder entwickelten oft noch kurz vor Abfahrt Wünsche, was sie doch noch mitnehmen wollten, packten es schnell in die eigene Tasche – so wurden die Radtaschen nacheinander eingeweiht.

Beeindruckend und immer wieder schön zu Lesen finde ich deine Wintertouren, die du (wenn auch ohne Kinder) in regelmäßigen Abständen unternimmst. Worin liegt für dich die Faszination für solche, ich würde fast schon sagen, Expeditionen?

Die Kälte hat ihren Reiz! Die Lichtstimmung ist ganz besonders und auch die Geräusche sind bei Kälte ganz anders. Vorteile sind auch, dass es keine Mücken gibt und man nicht mit Hitze konfrontiert wird. Viel wichtiger als die perfekte Winterausrüstung ist das richtige Verhalten bei Kälte, dann schafft man es auch nicht zu frieren und kann den Winter genießen. Ich war auch über die Möglichkeit in der Antarktis zu arbeiten sehr glücklich. Privat hätte ich so eine Reise nie bezahlen können.

Sehr interessant finde ich auf eurer Internetseite (http://bike-nord.de/nahrung.html) deine Ausführungen und Ideen zu Expeditionsnahrung für eure Winterreisen. Pflegt ihr auch zuhause eine bestimmte Ernährungsform oder hast du einfach eine Abneigung gegen Industriefood? Und wie ernährt ihr euch auf euren Sommerreisen mit den Kindern?

Wir versuchen uns vorwiegend biologisch, frisch und regional zu ernähren und dabei so wenig Müll wie möglich anfallen zu lassen, also Verpacktes zu umgehen. Hier ist  Anitas Einfluss recht groß – sie hilft öfter auf einem befreundeten Biolandhof aus. Sie ist Vegetarierin, toleriert aber unseren Fleischkonsum. Unser Trinkwasser holen wir bei einer Quelle.

Die Idee, die Expeditionsnahrung für Winterreisen selbst herzustellen hatte mein Freund Jens, der auch Vegetarier ist und gern weiß, was genau er isst. Die Expeditionsnahrung, die es zu kaufen gibt, hatte uns preislich abgeschreckt, wie auch geschmacklich und der viele Verpackungsmüll.

Auf Sommerreisen gibt es meist Müsli zum Frühstück und Nudeln oder Reis mit roter Soße am Abend, so oft es geht Obst und Gemüse dazu, für Pausen Brot/Brötchen, Nüsse, Trockenobst und Schokolade, also eigentlich wie zu Hause auch. 

Der Oman als Reiseziel für Familien - eine Empfehlung!

Ihr habt mit euren Kindern und dem Fahrrad den Oman bereist? Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Reiseziel und wie ist das Resümee dieser Abenteuerreise? Eine Empfehlung auch für andere Familien?

Diese Frage beantwortet Anita:

Ich hatte einige orientalische Länder bereist, wollte Jakob dafür begeistern. Auf dem Rückflug aus dem Jemen, damals schwanger mit dem ersten Kind, mit Stopp in Dubai – was für Gegensätze(!) – „bemerkte“ ich dieses Land dazwischen und fand schnell heraus, dass es gut passen müsste. Alle anderen arabischen Länder sind so dicht besiedelt, dass wir als blonde Familie nie allein sein würden. Wir fallen einfach auf, die Leute kommen, knuddeln und knutschen die Kinder – was ja auch sehr schön ist, die Gastfreundschaft in diesen Ländern ist auch sehr groß, aber ich hatte meine Zweifel, dass Jakob das auf Dauer so toll finden würde. Der Oman ist so groß wie Deutschland und hat nur 3 Mio Einwohner, abwechslungsreiche Landschaften, tolles Meer, die größte Sandwüste – DER Sandkasten für die Kinder! Das Land ist sehr liberal, sehr sicher und die Menschen sind einfach toll. Es war eine absolute Traumreise – wir waren erst 2 Wochen mit den Rädern unterwegs, sind über die Berge von der Emirati-Grenze bis Maskat gefahren und waren anschließend noch 5 Wochen mit einem Geländewagen unterwegs. Ja, es ist eine absolute Empfehlung!

Jetzt habe ich mit den Fragen schon mein Limit überschritten. Dabei würde ich euch gerne noch sooo viele Fragen stellen. Eine habe ich aber noch: Welches Land möchtet ihr mit euren Kindern unbedingt noch bereisen und warum?

Diese Frage beantwortet wieder Jakob:

Der Iran reizt mit einer tollen Landschaft, einer interessanten Kultur und unglaublich gastfreundlichen, netten, aufgeschlossenen Menschen. Das Land war 2001 Anitas Auftakt für ihre Orient-Passion, jetzt wollen wir es zum 10. Hochzeitstag gemeinsam entdecken – Backpacking mit Kindern, ähnlich haben wir es 2011 in der Türkei gemacht – Wanderungen und Städte entdecken, übernachten werden wir in Hotels und reisen mit Bus und Bahn, zu Hin- und Rückflug konnte ich Anita zum Glück überreden 🙂 .

Wandern mit Kindern in der Türkei

Vielen Dank euch beiden, Jakob und Anita, für das interessante und spannende Interview und den Einblick in euer Reiseleben als Outdoorfamilie.

Wer mehr über Jakob und Anita Maercker und ihre abenteuerlichen Reisen erfahren möchte, sollte hier http://bike-nord.de/ einmal vorbeischauen.

Alle Bilder dieser Seite unterliegen dem Copyright von Jakob und Anita Maercker.

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