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Frankreich – mit kleinen Kindern nach Paris reisen

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In der Stadt der Liebe mit zwei Kindern (4 und 6 Jahre alt)

Der Sightseeing-Guide für aufgeweckte Knirpse und unerschrockene Eltern

Paris mit zwei Kindern

Paris mit zwei Kindern

Paris? Mit unseren zweien? Du spinnst!“, antwortete mein Mann auf meinen Reisevorschlag für einen geplanten Kurztrip im kommenden Frühling. „Warum denn nicht? Dort gibt es sicherlich auch für Kinder viel zu sehen und zu erleben. Wenn das vorher gut organisiert wird, sehe ich da überhaupt keine Schwierigkeiten. Lass mich nur machen!“

In einer gut funktionierenden Partnerschaft werden wichtige Dinge, wie ein Urlaub, gemeinschaftlich besprochen und über verschiedene Vorschläge und Meinungen konstruktiv diskutiert, bis man schließlich zu einem allgemein akzeptierten Ergebnis kommt. So ist es auch bei uns. Da es meinem Mann allerdings meistens ziemlich egal ist wohin wir reisen, sparen wir uns das zeitraubende Diskutieren und entscheiden uns meist für den machbarsten meiner zahlreichen Vorschläge. Bei der ungeheuren Vielfalt an Möglichkeiten gehen mir selbstverständlich niemals die Ideen aus: New York, Mombasa, Moskau, Teheran. Mein Mann entscheidet sich dann für das kleinste Übel, und das heißt in diesem Jahr eben Paris.

 Sightseeing die Erste:

Abgesehen von der wirklich interessanten Bahnfahrt mit dem ICE nach Paris ist das absolute Highlight des ersten Tages für meine Kinder der Fernseher in unserem kleinen Hotel. Mein erstes „Highlight“ welches mich – allerdings nicht freudig  – überrascht, sind die hiesigen Preise. Holla, sind die knackig! So gibt es zum Abendessen günstigeres Fast Food, womit wir unsere Kinder immer begeistern können.

Ein wenig mulmig ist mir schon, da ich meine vielversprochene Reiseplanung nicht wirklich in die Tat umgesetzt habe. Um ehrlich zu sein habe ich mir nur einige wenige Fixpunkte gesetzt, also solche Sehenswürdigkeiten herausgesucht, die ich unbedingt sehen möchte. Alles andere, so hoffe ich, wird sich schon ergeben. Bei der Fantasie meiner Kinder habe ich allerdings keinen Zweifel daran, dass es ein interessanter Kurztrip wird.

 Sightseeing die Zweite:

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Karussellfahren in Montmartre

Am nächsten Morgen ist unser erstes Ziel der Stadtteil Montmartre mit der Basilika Sacré Cœur. Von unserem Hotel aus sind es nur wenige Gehminuten dorthin. Dennoch benötigen wir länger als geplant zu unserem Ausflugsziel, da wir uns kurz vor dem berühmten Hügel in den engen Gassen durch die vielen Verkaufsstände der Andenken- und Krims-Krams-Verkäufer schlängeln müssen. Unsere Kinder finden das umfangreiche Warenangebot an Spielzeug sehr interessant. An jedem zweiten Stand lassen sie daher etwas mitgehen und wir Erwachsene sind ständig damit beschäftigt den kleinen Räubern ihr Diebesgut zu entreißen, um uns mit vielen wiederholten pardons in Richtung der verdutzten Verkäufer zu Entschuldigen. Mangels Handschellen, die für unsere kleinen Langfinger bestens geeignet wären, nehmen wir sie kurzerhand in einen festen Griff und schieben sie durch die Gassen. Diese grobe Behandlung finden die beiden – die sich übrigens für Unschuldslämmer halten – gar nicht gerecht und lassen ihrem Unmut darüber freien Lauf. Zum Glück haben wir den zentralen Platz unterhalb der Basilika Sacré Cœur schnell erreicht und können den eisernen Griff lockern. Sofort entfleucht mir meine kleine Tochter und steuert geradewegs auf ein großes nostalgisches Karussell zu, das mit lauten Chansonklängen gemächlich seine Runden dreht. Ein Nein wird jetzt natürlich nicht mehr akzeptiert. So verbringen wir die nächste halbe Stunde damit unsere Kinder zu beobachten, wie sie mit leuchtenden Augen und fröhlichem Lachen immer und immer wieder an uns vorüberziehen.

 Sightseeing die Dritte:

Spielen ist wichtiger als Sightseeing

Spielen ist wichtiger als Sightseeing

Das Louvre gehört selbstverständlich zum Pflichtprogramm eines jeden Paris-Reisenden. Für kulturinteressierte Eltern mit kleinen Kindern bietet es sich allerdings an, zunächst einmal das großzügig angelegte Gelände zu erkunden, auf dem der bewegungsfreudige Nachwuchs nach Herzenslust herumtoben kann. Ein kleines »Fangen-Spielen« bietet sich zudem als sportlicher Ersatz zum langweiligen Besuch des weltberühmten Museums an. Der unterirdische Eingang zum Museum, von einer noblen Einkaufsmeile flankiert, wird natürlich nur zum Erledigen der wichtigsten Dringlichkeiten aufgesucht. Zu gut Deutsch, befindet sich dort die nächstgelegene Toilette.

Unsere Kinder übrigens lieben das Louvre (auch wenn sie vom eigentlichen Museum nichts gesehen haben). Sie fetzen über den Platz und werfen ihren mitgebrachten Schmusehasen in die Luft. Das Beste ist jedoch der Brunnen, der die gläserne Pyramide umgibt. Er wird intensiv genutzt zum planschen und Boote schwimmen lassen, die mein Mann aus Mangel an einfachem Papier aus den hochglanzveredelten Informationsbroschüren des Louvre faltet.

 Sightseeing die Vierte:

Kunst zum Klettern

Kunst zum Klettern

Das was die Erwachsenen sehen wollen und für die Kinder uninteressant ist, wird im Schnelldurchlauf absolviert: Place de la Concorde, Avenue des Champs-Élysées, Arc de Triomphe, Opéra Garnier, Notre-Dame de Paris, das moderne Paris mit dem Grande Arc, und so weiter und so weiter. Es gibt allerdings in ganz Paris sehr viele, für den Normaltouristen, eher unbekannte „Sehenswürdigkeiten“ an denen kleine Kinder ihre helle Freude haben und die gerne zum Spielen herhalten müssen. Dazu gehören zahlreiche – für uns – namen- oder gesichtslose Skulpturen, die von Künstlern der Renaissance oder der Moderne vorwiegend in den großen Parkanlagen zu finden sind. Neben den Spielplätzen sind natürlich die Parkanlagen für unsere Landeier der natürlichste Spiel- und Aufenthaltsraum. Die gepflegten Grünflächen der Megametropole bieten genug Freiraum für einen bewegungsfreudigen Nachwuchs, können aber aufgrund der vielen „Tretminen“ (Hundekot) dennoch nicht gänzlich ohne Aufsicht in Beschlag genommen werden. Diese unappetitliche Erscheinung ist uns übrigens in ganz Paris unangenehm aufgefallen und wir sind mehr als einmal haarscharf an dem „Vergnügen“, so richtig in die Sch…. zu treten, vorbei gekommen. Einzig in den eingezäunten Spielplätzen waren wir vor den Hinterlassenschaften der Vierbeiner sicher, und es muss wohl kaum erwähnt werden, dass wir jedem, auch noch so kleinen, Spielplatz in Paris einen Besuch abgestattet haben.

 Sightseeing die Fünfte:

Hase Felix in Paris

Hase Felix in Paris

Der Eifelturm. Eines der meistbesuchten Wahrzeichen der Welt, Ikone der Architektur, nationales Symbol der Franzosen, monument historique,  historischer Meilenstein der Ingenieurbaukunst, kurz gesagt ein Bauwerk der Superlative mit einer ungeheuren Ausstrahlungskraft – was unsere Kinder allerdings ziemlich kalt lässt. „Schau mal, Schatz. Das ist der Eifelturm.“ – Ja schön, Mama. Guck mal, Mama!“, mein Sohn zeigt auf eine gewöhnliche, sogar noch wenig ansprechende, Eisbude. „Dort gibt es Eis. Krieg ich eins? Bitte, bitte, bitte!“

So viel zum Thema Kinder und Kultur. Auf dieser Reise erkenne ich, dass Kinder eine komplett andere Wahrnehmung der Welt haben als Erwachsene. Und was ihnen als wichtig und interessant erscheint nicht unbedingt die Dinge sind, die wir ihnen zeigen und näherbringen wollen.

Ponystreicheln im Reiseprogramm

Ponystreicheln im Reiseprogramm

Unsere Tochter erwähnt zwar kurz, mit einem angstvollen Blick nach oben, dass das aber wirklich ein hoher Turm ist und ob der auch umfallen kann, wenn man dran stößt, aber damit erschöpft sich auch schon ihr Interesse für dieses monumentale Bauwerk. Den Eseln und Ponys, die für Ausritte im Park angeboten werden, widmet sie selbstverständlich mehr Zeit.

Dennoch bin ich nicht unglücklich, sondern freue mich eben selbst darüber, dass ich die Möglichkeit genutzt habe, dieses Bauwerk einmal zu besuchen. Und schließlich konnten wir unsere Kinder doch noch begeistern, indem sie Paris einmal von oben betrachten konnten, denn das hat unsere Kinder dann doch imponiert.

Interessante Darbietung am Eifelturm

Interessante Darbietung am Eifelturm

Unser Kurzurlaub ist nach fünf Tagen mit jeder Menge Sightseeing und aufregenden Erlebnissen zu Ende. Wie erwartet war es nicht nur für unsere Kinder ein interessanter Trip. Die Eltern mussten lernen diese Stadt und seine Sehenswürdigkeiten mit anderen Augen zu sehen. Eine U-Bahnfahrt war ebenso spannend wie das Louvre, Straßenmusikanten und Gaukler genauso sehenswert wie der Eifelturm, die Spielwarenabteilung im Lafayette wesentlich interessanter als die Kathedrale Notre Dame, das Spielen mit einheimischen Kindern auf den Spielplätzen in jedem Fall spaßbringender als das Schlendern durch die Gassen von Montmartre.

Den letzten Nachmittag verbringen wir gemütlich picknickend im Parc du Champ de Mars mit Blick auf den Eifelturm und genießen das sonnige und milde Frühlingswetter. Wir sind in der Stadt der Liebe endlich angekommen und erleben in dieser entspannten Atmosphäre den Charme von Paris. Von Frühlingsgefühlen übermannt kuscheln wir Eltern ein wenig, während unsere Marsmännchen sich die Zeit damit vertreiben sich gegenseitig, die von der Sonne schön weich gewordenen, Gummibärchen auf die Beine und ins Gesicht zu kleben.

Und wenn sich jetzt einer fragt, warum wir nicht in Disneyland Paris waren, so muss ich gestehen, dass wir uns das für ein anderes Mal aufheben wollten, wenn unsere Kinder größer sind und damit wir einen Grund haben wiederzukommen.

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