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Wandern mit Zelt auf dem Malerweg – mal ohne Kinder

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Auf dem Malerweg

Der malerische Malerweg in der Sächsischen Schweiz

Die Osterfeiertage bieten sich mit vier freien Tagen am Stück geradezu an für einen gar nicht mal so kurzen Kurztrip. Warum nicht mal nutzen, dachte ich so bei mir. Damit hatte ich jedoch die Rechnung ohne unsere Kinder gemacht, die so gar keinen Bock hatten, an einem wenig frühlingshaften und kalten Wochenende zu einer Wandertour aufzubrechen. So mussten mein Mann und ich zum ersten Mal alleine losziehen, hängten gleich noch zwei Tage an und liefen in sechs Tagen fast den kompletten Malerweg in der Sächsischen Schweiz – ohne Kinder. Und ich muss gestehen: Das war auch mal schön!

Unsere 1. Etappe von Pirna nach Struppen (8 km)

Am Anreisetag erreichen wir am späten Nachmittag Pirna. Bis zum Schluss war das Unternehmen Malerweg noch in der Schwebe, weshalb wir (mit einer Ausnahme) keine festen Buchungen vorgenommen hatten und uns auf unsere bewährte Reiseart, dem Zelten, verließen. Von Pirna aus gesehen, liegt der nächstliegende Campingplatz im 8 Kilometer entfernten Struppen. Eine Strecke, die wir am ersten Tag noch ohne weiteres bewältigen konnten. Dies war auch der Grund dafür, dass wir den Malerweg „rückwärts“ laufen mussten. Oder wie uns ein Wanderer mit ernster Miene darauf hinwies: „verkehrt herum“. Ich wusste gar nicht, dass man einen Fernwanderweg „verkehrt herum“ wandern kann?

Blick auf die erste Etappe des Malerweges

Blick auf die erste bzw. letzte Etappe des Malerweges Richtung Pirna

Der Malerweg verläuft auf den ersten (oder wahlweise letzten) Kilometern an der Elbe entlang und verlässt diese erst nach der Ortschaft Struppen, die eigentlich nicht direkt am Malerweg liegt. Wir verlassen den Malerweg hinter Obervogelgesang und erklimmen den Hügel, auf dem die Ortschaft Struppen liegt. Theoretisch könnte man mit der S-Bahn von Pirna noch bis nach Obervogelgesang fahren und würde sich somit die doch recht fade Strecke am Radweg entlang ersparen. Wir merkten dies jedoch erst, als wir schon fast die ganze Strecke zurückgelegt hatten. Anyway, so hatten wir wenigstens einen sanften Einstieg in den Malerweg.

Unsere 2. Etappe von Struppen nach Gohrisch (26 km)

Der Malerweg ist bestens ausgeschildertAm nächsten Tag stoßen wir hinter Naundorf auf den Malerweg, der bei Pötzscha zum ersten Mal kräftig ansteigt. Die erste Felsenformation muss bezwungen werden und bietet herrliche Ausblicke, die heute nur vom schlechten Wetter getrübt werden. In fröhlichem Auf und Ab geht es weiter über Wiesen und Felder, malerische Dörfer und Wälder, die zu dieser Jahreszeit noch herbstlich kahl, aber keineswegs reizlos, wirken. Mit der Festung Königstein und der Felswand bei Pfaffenstein sind noch zwei beschwerliche Anstiege zu bewältigen. Für den ersten Tag haben wir uns viel zu viel zugemutet. Mit müden Knochen erreichen wir am Abend Gohrisch und müssen leider feststellen, dass der hiesige Campingplatz gar keine Zeltreisende aufnimmt. Es gibt keine Zeltwiese und alle Wohnmobilparzellen sind belegt oder reserviert. Sehr schade, finden wir, und gar nicht üblich für einen Vier-Sterne-Campingplatz, der vom ADAC in den höchsten Tönen gelobt wird. Das M markiert den Malerweg

Traurig sind wir darüber jedoch nicht lange, da die Temperaturen mittlerweile gefühlt am Gefrierpunkt angelangt sind. Zu allem Überfluss regnet es auf dem Rückweg ins Dorf auch noch in Strömen, sodass wir gerne ein Zimmer in einer netten Pension dem noblen Campingplatz vorziehen.

Am Abend planen wir unsere Tour um. Eigentlich sah meine kühne Planung vor, die Etappen 6 und 7 des Malerweges an einem Tag zu laufen. Das trauen wir uns jedoch nach dem heutigen Tag nicht mehr zu. Auch deshalb, weil der kommende Tag regnerisch und bitterkalt werden soll. 31 Kilometer, über tausend Höhenmeter und dieses Wetter? – No way! Wir streichen also Etappe 6 (die für uns die dritte ist), laufen am nächsten Morgen von Gohrisch an die Elbe und fahren mit dem Zug nach Schmilka. Dort beginnt unsere verkürzte Etappe 3, die jetzt nur noch 13,8 Kilometer misst.

Zahlreiche Felsformationen kennzeichnen die Sächsische Schweiz

Typische Felsformationen der Sächsischen Schweiz

Unsere 3. Etappe von Schmilka über den großen Winterberg zur Neumannmühle (19 km)

Am 3. Tag ist es tatsächlich bitterkalt, jedoch trocken. So bleibt das Wetter glücklicherweise den ganzen Tag. Der Aufstieg zum großen Winterberg ist beschwerlich, aber machbar. Keine anstrengende Kletterpassagen sind auf dieser Etappe zu bewältigen. Wir befinden uns jetzt in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz. Am Zeughaus entscheiden wir uns zu einem kleinen Abstecher, bei dem wir doch noch ein bisschen klettern und sogar unsere Rucksäcke zurücklassen müssen, weil der Zugang zum Aussichtsfelsen zu schmal für große Tourenrucksäcke ist. Für die kurze Anstrengung werden wir jedoch mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Wir können den Ausflug zum Winterstein (hinteres Raubschloss) jedenfalls sehr empfehlen. Am Abend haben wir dann doch 19 Kilometer in den Waden, die wir immer deutlicher spüren. Die Neumannmühle liegt mitten im Nationalpark Sächsische Schweiz und ist die einzige Unterkunft, die wir vorbuchen mussten. Eine Zeltmöglichkeit gibt es auf dieser Etappe leider nicht.

Im Kerngebiet des Naturschutzgebietes Sächsische Schweiz

Abstieg vom großen Winterberg mit Blick in die Sächsische Schweiz

Auf dem hinteren Raubschloss

Auf dem hinteren Raubschloss

Unsere 4. Etappe von der Neumannmühle über den Schrammstein nach Altendorf/Ostrauer Mühle (18,4 km)

Die Abstiegstreppen am SchrammsteinDie anstrengendste – aber auch schönste – Etappe auf dem Malerweg ist der Weg über den Schrammstein. Diese Etappe bietet die imposantesten Ausblicke der Sächsischen Schweiz (zumindest aus unserer Sicht). Zahlreiche wunderschöne Aussichtsfelsen wehren sich gegen eine Eroberung, bzw. wollen mit Blut und Schweiß erobert werden. Einige kleine Kletterpassagen und nicht ganz schwindelfreie Abschnitte gilt es auf dieser Etappe zu überwinden.

Eine Etappe, die mit kleinen Kindern (ohne Sicherungsseil) aus unserer Sicht grenzwertig ist, jedoch eher aufgrund der steilen Stufen der Leitern, die fast senkrecht in den Fels geschlagen wurden, und deren Sprossenabstände für kleine Kinder ein hohes Fallrisiko darstellen.

Die Schrammsteinaussicht liegt nicht am Malerweg, aber wenn man schon mal oben ist, kann man den letzten Grat auch noch überwinden und eine fantastische Aussicht genießen. Mindestens zehn Punkte auf unserer Empfehlungsskala!

Eine von zahlreichen Ausblicken am Schrammstein

Eine von zahlreichen Ausblicken am Schrammstein

Unsere 5. Etappe von der Ostrauer Mühle nach Hohenstein (Campingplatz Entenfarm) (19,5 km)

Vom netten Campingplatz Ostrauer Mühle, der direkt am Malerweg liegt, starten wir am nächsten Morgen (der leider wieder sehr kalt ist) unsere 5. Etappe. Dennoch werden die Tage von mal zu mal freundlicher. Der gestrige Sonnenschein setzt sich nach dem Auflösen frühmorgendlicher Nebelfelder fort. Das Wegeniveau ist heute immer noch anspruchsvoll, auch wenn es auf dieser Etappe keine Kletterpartien mehr gibt. Zwei steile Anstiege gilt es zu überwinden. Dafür werden wir mit einer märchenhaften Schlucht belohnt, die es mit ihrer atemberaubenden Schönheit locker mit den gestrigen landschaftlichen Highlights aufnehmen kann. Bei Hohenstein verlassen wir den Malerweg und steuern den ruhig gelegenen Campingplatz mit dem niedlichen Namen Entenfarm an, der 2,5 Kilometer außerhalb von Hohenstein liegt.

Der Malerweg bei Hohenstein

Aussicht vom Malerweg in die Sächsische Schweiz bei Hohenstein

Unsere 6. und letzte Etappe von Hohenstein über die Bastei nach Wehlen (15 km)    

Für die letzte Etappe haben wir nur einen Vormittag Zeit, da unser Zug zurück nach Hause bereits um 14 Uhr in Wehlen abfährt. Deshalb starten wir sehr früh am Morgen schon gegen 7 Uhr und genießen die friedliche Morgenstimmung in der erwachenden Natur. Unsere letzte Etappe hält kaum noch anstrengende Anstiege bereit. Lediglich hinauf zur berühmten Bastei wird der Malerweg wieder etwas anspruchsvoller. Wir erfreuen uns am letzten Highlight dieser Tour und genießen die morgendliche Stimmung auf der Bastei. Und das sogar ohne die üblichen Touristenmassen. Es ist wohl noch zu früh am Tag für Busreisende. Mit etwas Tempo erreichen wir bereits gegen 13 Uhr Wehlen und sind froh und glücklich es geschafft zu haben. Eine wirklich sehr schöne Tour liegt hinter uns, die auf vielen Abschnitten zwar anstrengend war, aber auf jeden Fall ein echter Tipp für Langstreckenwanderer ist.

Aufstieg zur Bastei

Die letzten Treppen zur Bastei

Die Bastei

Die berühmte Basteibrücke mit ihren Felsformationen

Ist der Malerweg ein Weitwanderweg, den man mit Kindern laufen kann? Unsere Einschätzung dazu:

Solche Treppen sind auf dem Malerweg keine Seltenheit

Solche Treppen sind auf dem Malerweg keine Seltenheit

Im Großen und Ganzen ist der Malerweg ein sehr anspruchsvoller Wanderweg, der zahlreiche schwierige Abschnitte beinhaltet. Wir sind nicht den kompletten Malerweg gelaufen, hatten aber die beiden schwierigsten Etappen auf unserer Tour. Diese sind der Aufstieg zum Winterberg und Abstieg zur Neumannmühle und vor allem unsere 4. Etappe über den Schrammstein. Wie oben schon erwähnt, würde ich die Etappe über die Schrammsteinfelsen mit kleinen Kindern nicht ohne Sicherungsseil angehen. Ansonsten sind alle Etappen auch mit kleinen Kindern zu bewältigen, selbst wenn es auf vielen Abschnitten sicher sehr anstrengend für Kinder unter 10 Jahren ist.

Im Übrigen sollte man auch auf allen anderen Etappen des Malerweges seine Kinder immer im Blick haben, selbst wenn Felsüberquerungen auf einem sicheren und breiten Weg stattfinden, denn eine generelle Absturzgefahr gibt es auf allen Etappen des Malerweges.  

Unser Fazit:

Der komplette Malerweg ist nach unserer Einschätzung für Kinder ab ca. 8 Jahren laufbar, eine sehr gute Grundkondition des Kindes vorausgesetzt. Für ältere Kinder ab ca. 10 Jahren sollte der Malerweg kein Problem darstellen. Zur Unterstützung der Beine bei den vielen Auf- und Abstiegen sind Wanderstöcke Gold wert. Ohne diese würde ich den Malerweg nicht laufen wollen.

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