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Wandern mit Kindern im Zion Nationalpark im Westen der USA

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wildcat-canyon-kopie

Der Zion Nationalpark – vom Massentourismus in die Einsamkeit

Ein Beitrag von Volker Otter

Tja, der Zion Nationalpark. Ehrlich gesagt hatten wir es schwer mit ihm.

Wir ergattern um 8.30 einen der letzten Zeltplätze. Das ist gut. Das Baden im Virgin River ist auch spitze. Die nächtliche Tarantel ein spannendes Abenteuer, insbesondere, da ich fast in sie hineintrete und sie dann davon abhalten muss unter das Vorzelt zu krabbeln, wo unser Jüngster vermeintlich schon schläft (tut er aber nicht, bekommt alles mit und findet es hochinteressant).

Morgens ab 7.30 Uhr wälzt sich eine Autokarawane durch den Zeltplatz, wieder und wieder die verzweifelte Frage, ob wir bleiben oder gehen. Das fängt an zu nerven.

Der Kayenta Trail und der Upper- und Lower Emerald Pool Trail (4,2 km)

Heute wollen wir mit den Kindern von der Shuttlebushaltestelle The Grotto über den Kayenta Trail zu den Upper Emerald Pools und über den Lower Emerald Pool Trail zur Zion Lodge zurückwandern. Die Landschaft, das Tal, der Aufstieg, die Emerald Pools, die verwunschenen Canyons, die Steilwände, über die sprühende Wasserfälle fallen, kleine grüne Oasen, Schmetterlinge, unvergleichbar schön.

Aber…, ja, das Aber… ist voll, furchtbar voll. An engen Passagen müssen wir Schlange stehen. Nein, so bringt es keinen Spaß. Unten auf der großen Wiese vor der Zion Lodge beobachten wir die Massen. Nachmittags baden wir wieder im Fluss, gehen noch einmal ins Visitor Center und kommen mit einem Ranger ins Gespräch. „Wenn ihr den Massen entfliehen wollt, dann müsst ihr den Park verlassen!“ Eigentlich wollten wir mit den Kindern noch in den Narrows wandern, dieser gigantischen Schluchtenenge, durch die man für einen oder mehrere Tage im Flussbett des Virgin Rivers wandern kann. Der Ranger erzählt uns, dass in den Sommerferien durchschnittlich 35.000 Menschen täglich in den Zion Canyon einfallen und so die Lenkung der Menschenströme die Parkverwaltung an ihre Grenzen bringt. Und dass die Menge gerade vor den Narrows nicht Halt macht, Sommerferien eben.

Aber…, ja, dieses Aber…. oben im Norden des Parks, da gäbe es aber was. Wir horchen auf.

Lava point

Lava point

Morgen werden wir zum Lava Point fahren, dort gibt es einen kleinen Zeltplatz mit sechs kostenfreien Plätzen. Abends werden wir noch von einer großen, feiernden Gruppe eingekesselt. Uns reicht’s hier unten!

Best hamburger ever

Best hamburger ever

Wieder früh aufstehen, 1,5 Stunden abenteuerliche Fahrt warten auf uns. Aus der Wüstenhitze hinauf auf die kühlen Plateaus, Ranching Country. Oben erwartet uns ein herrlicher Zeltplatz, über den manchmal Hirsche wechseln. Klein, mit viel Platz und einem davon für uns! Wir entspannen sofort. Das Beste, ein paar Kilometer weiter liegt ein kleines Dorf (Kolob) mit einem gemütlichen General Store mit seiner großen Holzterrasse, die zum Verweilen einlädt. Wir genießen leckere Soft-Getränke, gutes Micro Brewery Bier,  der weltbeste, vom Chef sorgfältig und frisch zubereitete, Hamburger und einen kinderlieben, riesigen Huskie.  Alles unter einem weiten Himmel, an dem riesige Greifvögel kreisen,  alles unweit eines Stausees auf öffentlichem Land mit mehreren einfachen Zeltmöglichkeiten. Ab ins Wasser. Baden unter Geiern, Weißkopfseeadlern, Fischadlern und …. Kalifornischen Kondoren, die hier wieder angesiedelt worden sind. Die Ranger hüten dieses „Geheimnis“ etwas. Es gibt immer noch professionelle Eierräuber.

Zeltplatz am Lava point

Zeltplatz am Lava point

Wir sehen einen Weißkopfseeadler, der in das Wasser stößt, verschwindet und eine gefühlte Ewigkeit später wieder auftaucht mit einem großen Fisch in den Klauen. Nach den Menschenmassen unten im Zion Canyon haben wir uns einen Chilltag verdient.

West Rim Trail in die Zion Wilderness Area (7-8 km Hin- und Rücktour, beliebig verlängerbar, auch für eine 2-Tagestour hinunter in den Canyon) 

West rim trail

West rim trail

Am nächsten Tag geht’s auf den West Rim Trail in die Zion Wilderness Area. Nach einer Meile Buckelpiste mit dem Auto zum Trailhead wandern wir auf einem ebenen Weg durch noch relativ junges Waldbrandgebiet, Buschland wechselt sich mit Jungwald, uralten abgestorbenen und uralten lebendigen Kiefern ab. Schöne Wildblumen, Truthahngeier, Eidechsen. Schatten- und Lichtspiel, angenehme 25 Grad. Wir wandern bis zu einem Aussichtspunkt in das Zion Canyon Gebiet hinein und Picknicken dort.  Kleine Abstecher querfeldein am Rand des Plateaus, die Blicke auf die massigen Felsbuckel und die sie spaltenden Canyons verändern sich immer wieder.

Auf dem Rückweg machen wir einen kleinen Abstecher zur Saw Mill Spring. In einer Talsenke ein kleines Loch mit klarem, frischen Wasser. Spuren eines früheren Reservoirs, Viehtränken, ein eingesunkener Pferdekarren, Spuren längst vergangener Tage.

Nach einem Bad im See und einem gigantisch guten Hamburger noch ein abendliches Lagerfeuer unter einem samtschwarzen Nachthimmel mit tausenden von Sternen.

Kolob Stausee

Kolob Stausee

Wildcat Canyon Trail vom West Rim Trailhead zum Wildcat Canyon Traihead (8-9 km oneway)

Und weiter geht’s. Während der eine Teil der Familie den nächsten Tag am See verbringen möchte (und dem anderen Teil die Möglichkeit eines Shuttle Services anbietet), wandert der andere Teil auf dem Wildcat Canyon Trail vom West Rim Trailhead zum Wildcat Canyon Traihead 

Wildcat trail

Wildcat trail

Der Pfad verläuft durch trockenen Kiefernwald, kreuzt  die feuchte Senke des Wildcat Creeks, führt über weite Wiesen mit einer herrlichen Blumenpracht entlang an felsigen Bergflanken, dann wieder durch offenes Gelände, lichten Wald und Prärie, wie in besten Westernszenarien. Wenn man möchte, kann man noch einen Abstecher zu den Northgate Peaks machen. Dort wo dieser Trail abzweigt, öffnet sich das Land und fällt felsig in die Zion – Canyonlandschaft ab. Durch Canyons zerfurchte Felsmassive türmen sich, man will hier gar nicht mehr weg, könnte immer weiter laufen.

Northgate peaks am wildcat trail

Northgate peaks am wildcat trail

Ja, wir hatten es schwer mit dem Zion Nationalpark. Am Anfang, da unten. Hier oben ist es wie in einer anderen Welt, die wir erst entdecken mussten, um richtig und tiefgehend anzukommen, an einem unserer Lieblingsplätze auf unserer Reise durch den amerikanischen Südwesten.

Einsamkeit im Zion Nationalpark

Einsamkeit im Zion Nationalpark

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