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Mit Kindern die Welt entdecken

Wandern mit Kindern im Yellowstone Nationalpark / USA

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Prärie am Lamar River Trail Kopie

Prärie am Lamar River Trail

Der Yellowstone Nationalpark mit Kindern – zwischen Trubel und Einsamkeit

Ein Gastbeitrag von Volker Otter

Ein großes Abenteuer – der Yellowstone Nationalpark in den USA! Mit Kindern (neun und dreizehn Jahre) ins Bärenland. Obwohl wir uns Grizzlies auf der anderen Talseite immer gewünscht haben, bekamen wir sie leider nie zu Gesicht. Eigenartig, dass das Tier, über das die meisten Touristen (meist selbstverschuldet) zu Schaden kommen, aber gar nicht der Grizzly ist, sondern der Bison, vor dem Wapiti und dem  Grizzly erst an der dritter Stelle. Und gerade die Bisons haben es mir, seit Wanderungen in den Prärien der Dakotas, zutiefst angetan. Die wollte ich meinen Kindern zeigen, diese Tiere als  Inbegriff explosiver Urgewalt und friedvoller Dominanz, ohne Zaun zwischen uns.

Nun sind wir da – in der Hochsaison, unseren Sommerferien. Der Yellowstone Nationalpark ist groß –  und voll. So groß, dass man ihn in einer Woche nur in ausgewählten Gebieten erleben kann. So voll, dass man strategisch denken muss, um dorthin zu kommen, wo man hin will (Campingplatz) und so hoch gelegen, dass es nachts im Sommer richtig kalt werden kann, schließlich ist man fast überall automatisch auf über 2.000 Meter Höhe, ohne einen Berg erklommen zu haben. Das sollte man nicht vergessen.

Madison Campground bei Minustemperaturen

Madison Campground bei Minustemperaturen

Es ist absolut empfehlenswert, die ersten Nächte im Yellowstone Nationalpark auf einem der reservierbaren Campingplätze (Madison, Fishing Bridge RV Park, Bridge Bay, Canyon Village, Grant Village) so zu buchen, damit man von da aus mit kurzer Fahrtzeit zu einem der kleinen (oft schöneren) Zeltplätze gelangen  kann, den man sich für die eigentlichen Ziele und Wanderungen ausgesucht hat. Aber Achtung, die kleinen Plätze (first come, first serve) füllen sich zwischen 6.30 und 9.00 morgens. Das ist Wahnsinn, aber Realität. Wir haben unsere ersten zwei eisigen Nächte (geschätzte -5 Grad, die Zelte waren  gefroren: Handschuhe und Mütze nicht vergessen!!!) auf dem Madison Campground verbracht, ein gutes Basislager für Ausflüge zu den Geysiren und schöne Morgen- und Abendspaziergänge entlang des Madison River.

Wanderung vom Biscuit Basin Parkplatz zum Old Faithful (ca. 2 Meilen one-way)

Wanderung zu den Geysiren - noch einsam

Wanderung zu den Geysiren – noch einsam

Das Geysir-Gebiet um den Old Faithful herum erkunden wir mit viel Zeit zum Staunen und Gucken über eine schöne Wanderung vom Parkplatz Biscuit Basin zum Old Faithful. Ein angenehmer Wanderweg mit nur wenig Steigung schlängelt sich an heißen Tümpeln, blubbernden Löchern und heißen, sprudelnden Quellen vorbei. Ab dem Morning Glory Pool wird der Weg zu einem Bohlenweg. Man ist nicht mehr allein, die vielen dampfenden Quellen, blubbernden Matschtöpfe, Geysire und Sinterformationen machen das aber wett, sightseeing at its best! Der Massentourismus konzentriert sich dann am Old Faithful, wo die Busladungen ausgespuckt werden. Aber wenn man’s weiß, kann man sich innerlich darauf einstellen und sogar einen Kaffee im Resort genießen. Es lohnt sich, trotz der Massen! Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele Geysire und heiße Quellen konzentriert auf ein Gebiet.

Old Faithful Geysir

Old Faithful Geysir

Auf der Rückfahrt kann man sich dann noch so viele Hot Spots anschauen, wie das Herz begehrt. Wir waren von der Grand Prismatic Spring beeindruckt, die man vom Midway Geyser Basin Trailhead kurz oder vom Fairy Falls Trailhead mit einer längeren Tour und einem Blick „von oben drauf“ erwandern kann.

Da wir unseren Schwerpunkt weiter in den Norden des Parks legen wollen, fahren wir am nächsten Tag in aller Herrgottsfrühe weiter, noch schnell einen Kaffee getrunken und warmen Haferbrei geschlabbert, um einen Zeltplatz auf dem Tower Fall Campground (oft voll zwischen 8.30 und 9.30 Uhr) zu ergattern. Auf den großen Plätzen und in den Visitor Centers erfährt man, um wieviel Uhr welcher Zeltplatz jeweils voll ist. Der beliebte Slough Creek Campground schließt seine Pforten für Neuankömmlinge meistens gegen 7.00 – 7.30 Uhr morgens. Diesen Wahnsinn wollten wir allerdings nicht mitmachen (obwohl der Zeltplatz absolut empfehlenswert ist).

Grand Prismatic Springs

Grand Prismatic Springs

Der Tower Falls Zeltplatz ist ein guter Ort mit guten Wandermöglichkeiten und ein guter Ausgangspunkt für Unternehmungen in das Lamar River Valley und den Canyon. Der Zeltplatz selbst ist ruhig, überschaubar, die Plumpsklos sauber, die Atmosphäre freundlich. Manchmal kreuzt ein Hirsch den Platz, Murmeltiere sind unsere Nachbarn, Squirrels und Streifenhörnchen überall.

Wildniswanderung vom Tower Falls Zeltplatz entlang dem Tower Creek

(Länge beliebig, da one-way)

Tower Falls Campground

Tower Falls Campground

Wildniswanderung Tower Creek Trail

Wildniswanderung Tower Creek Trail

Unsere erste Wildniswanderung führt uns vom Tower Fall Zeltplatz entlang dem Tower Creek. Der Pfad führt durch ehemaliges Waldbrandgebiet. Die Sichtweite in dem mit buschigem Dickicht bewachsenen Land beträgt manchmal gerade fünf bis zehn Meter, direkt neben dem laut rauschenden Wildbach. Ideal, um einem Grizzly in die Pranken zu laufen, also immer schön laut reden, singen und klatschen. Wir verlassen den Tower Creek Trail, queren den Bach in bester Familienteamarbeit, da die andere Talseite für den Rückweg übersichtlicheres Terrain verspricht. Auf dem Rückweg stoßen wir auf die alten, skelettierten Überreste eines großen Wapitis. Die Kinder sind einerseits fasziniert und andererseits angespannt, da klar ist, dass der Wapitibulle im letzten Jahr vielleicht die Beute von Wölfen oder eines Grizzlies war. Nach einer zweiten  Querung des Wildbaches ist der Zeltplatz wieder in vertrauter Nähe. Wir beobachten noch eine Fliegenfischerin, die uns wortlos, aber mit lässiger Geste grüßt.  Ein abenteuerlicher Einstieg in das Thema Wildnis. Die Wanderung ist beliebig ausdehnbar, da keine Rundtour.

Wildniswanderung Tower Creek Trail mit Flussquerung

Wildniswanderung Tower Creek Trail mit Flussquerung

Am späten Nachmittag schließen wir eine kurze, steile, aber schöne Wanderung vom nahen General Store hinunter zum Yellowstone River und weiter zu den Tower Falls (Tower Falls Trail, 0,4 Meilen one-way) an, eine erste Kontaktaufnahme zu einem wunderschönen Fluss und seinem grandiosen Tal. Da der offizielle Pfad zu den Falls geschlossen ist, suchen wir uns einen Weg am Flussufer entlang und siehe da: plötzlich sind wir allein auf weiter Flur… die Wasserfälle sind wunderschön!

Kurzwanderung zu den Tower Falls

Kurzwanderung zu den Tower Falls

Wanderung auf dem Lamar River Trail vom Soda Butte Trailhead zum Cache Creek

(3,6 Meilen one-way, beliebig verlängerbar)

Wanderung Lamar River Trail. Rast am Cache Creek

Wanderung Lamar River Trail. Rast am Cache Creek

Unsere nächste Wanderung führt uns in das Lamar River Valley vom Soda Butte Trailhead auf dem Lamar River Trail bis zum Backcountry Zeltplatz 3L2 am Cache Creek und wieder zurück (ca. 7,2 Meilen, leichte Steigungen, meist aber eben). Auf dem Weg zum Trailhead nehmen wir uns Zeit, um Bisons und Gabelbockantilopen zu beobachten, die ungerührt von den vorbeifahrenden Autos hier, in dem breiten Prärietal zu Hause sind. Der Trail führt durch die weite, mit Salbei bewachsene Ebene, vorbei an kleinen Gabelbock- und Bisonherden. Das Geländerelief zeigt sich hügelig, sanft ansteigend mit schönen Blicken in die umgebenden Hügel und das Flusstal. Immer wieder Tiere, die wir aufschrecken: ein Hirsch im hohen Gras, Präriehühner, zwei Meter neben dem Pfad, kaum  zu erkennen. Am Cache Creek erreichen wir unser Ziel und rasten am und im Wasser. Der weitere Weg lockt, aber wir nehmen  Rücksicht auf die noch nicht ganz überstandene Zeitverschiebung. Die Hitze tut ihr Übriges. Wir wollen es ja nicht übertreiben.

Pronghorn Antilope Lamar River Valley

Pronghorn Antilope Lamar River Valley

Alles in allem: Eine einfache, wunderschöne Wanderung für Frühaufsteher: je früher man dran ist, desto mehr Tiere tummeln sich auf dem üppigen Grasland am Fluss. Wer auf Wolfspirsch gehen will, ist in der Slough Creek und Lamar River Gegend genau richtig, sollte sich aber vorher Tipps bei den Rangern holen. Voraussetzung für diese Wanderung ist, sich mit den Verhaltensanforderungen einer Begegnung mit Bisons auseinanderzusetzen. Ein Bison hat immer Wegerecht, egal, ob auf der Straße oder auf dem Trail. Bisons sind wild…. und fantastisch! Wer wird den Anblick und die Geräuschkulisse einer  Bisonherde am Fluss je vergessen?! Freie Bisons sind für Kinder eine aufregende Erfahrung, wir Eltern sorgen dafür, dass es eine gute und sichere Erfahrung wird.

Bisonbulle Lamar River Valley

Bisonbulle Lamar River Valley

Wanderung Lamar River Trail

Wanderung Lamar River Trail

Wanderung vom Clear Lake Trailhead entlang dem Yellowstone Canyon (South Rim) zum Sublime Point, zurück über den Clear Lake-Ribbon Lake Trail

(ca. 4,5 Meilen, kleine Steigungen, meist eben)

Yellowstone Canyon Clear Lake - Ribbon Lake Trail

Yellowstone Canyon Clear Lake – Ribbon Lake Trail

Yellowstone Canyon

Yellowstone Canyon

Eine Wanderung, auf der man zumindest entlang der Canyonkante nicht einsam ist, die aber spektakuläre Blicke auf den Yellowstone Canyon bietet, ist für uns die Strecke vom Clear Lake Trailhead auf dem South Rim Trail bis zum Sublime Point und zurück über den Clear Lake – Ribbon Lake Trail (ca. 4,5 Meilen). Der Weg ist bis zum Artist Point zum Teil asphaltiert und führt direkt am Canyonrand entlang. Die Blicke sind fantastisch und immer wieder neu, inspirierend:  alte knorrige Kiefern, Berghänge in Weiß und rotorangen warmen Farbtönen, aufsteigender Wasserdampf. Der Rückweg führt  zunächst durch dichten Wald, an einem kleinen See vorbei, immer wieder ein Schild mit Bear Warnings, also Vorsicht und vorausschauendes Wandern, weiter an heißen schwefelhaltigen und entsprechend „duftenden“ Quellen vorbei, die aber ein eindrucksvolles Landschaftsbild in den sonst dichten Wald zaubern.  Bis zum Parkplatz zurück geht es dann durch lichten Wald und schöne Wiesen. Der Visitor Center im Canyon Village mit einer guten Ausstellung, seinen Rangerprogrammen auch am Nachmittag und ein kühles Getränk aus dem General Store rundet diese nicht einsame, aber besondere Wanderung ab.

Yellowstone Canyon Wasserfall

Yellowstone Canyon Wasserfall

Rundwanderung vom Specimen Ridge Trailhead zur Yellowstone River Picnic Area

(ca. 3,6 Meilen, leichte Steigung, meist eben, beliebig verlängerbar)

Wanderung Specimen Ridge Trail mit Blick auf den Yellowstone River

Wanderung Specimen Ridge Trail mit Blick auf den Yellowstone River

Eine weitere schöne, leichte Wanderung führt vom Specimen Ridge Trailhead auf dem Specimen Ridge Trail durch offenes Gras- und Salbeiland mit schönen Blicken auf die Lamar River Ebene, immer wieder gibt es die Möglichkeit, Bisons aus der Nähe und in der Ferne zu sehen. Der Pfad führt zu einem schönen Aussichtspunkt auf das Tal des Yellowstone Rivers. Hier teilt sich der Pfad. Der Specimen Ridge Trail und später der Agate Creek Trail führen weiter in die Wildnis hinein und können diese Wanderung beliebig verlängern. Der Pfad zurück zur Yellowstone Picnic Area führt entlang dem Steilufer des Yellowstone Rivers in nordwestliche Richtung und gibt tolle Blicke auf die Felswände und Steilufer der anderen Talseite frei, unten ein wilder Fluss. Oben verläuft der Trail durch offenes Land und später durch lichten, knorrigen Kiefernwald. Entweder verbleibt man dann an der Picnic Area und einer (meist der Vater!!!) holt das Auto oder aber alle erklären sich solidarisch und gehen gemeinsam an der Straße entlang zum Ausgangspunkt der Wanderung zurück, auch hier ist die Chance groß, auf Bisons zu stoßen.

Wanderung Specimen Ridge Trail

Wanderung Specimen Ridge Trail

Eine tolle, landschaftlich außergewöhnliche Wanderung, die wir anschließend mit einem Ausflug zu den gigantischen Sinterterassen der Mammoth Hot Springs kombiniert haben. Die absolut lohnenswerten Mammoth Hot Springs lassen sich einfach über feste Bohlenwege erlaufen. Schwierig ist allein die Parkplatzsuche und vielleicht der Wechsel im Kopf, von einer einsamen Wanderung hinein in den Trubel des Tourismus – Hotspot, aber das ist der Yellowstone Nationalpark in der Hauptsaison: einsame Wildnis und „Trubel-Tourismus“ und man selbst mittendrin. Trotzdem: Hinfahren! Es lohnt!

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weitere schöne Wanderungen findest du auf unserer interaktiven Karte →

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