Reise-Kids

Mit Kindern die Welt entdecken

Wandern mit Kindern im Capitol Reef Nationalpark im Westen der USA

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hickman-bridge-trail-kopieOasen in der Wüste Utahs – im Capitol-Reef-Nationalpark

Ein Beitrag von Volker Otter

Wir folgen einer Perlenkette der Naturwunder nördlich des Grand Canyon mit unseren beiden Kindern (9 und 13 Jahre). Wir stehen früh auf, als wir die Canyonlands in Richtung Capitol Reef Nationalpark verlassen. Bei Sonnenaufgang sind wir auf der Straße. Ein Coyote huscht durch das Scheinwerferlicht. Die Luft durch das offene Fenster ist frisch und würzig nach einem kurzen Regenschauer.

In Green River kaufen wir in einem kleinen Supermarkt in einer Seitenstraße ein, den wir erst nach zweimaligen Fragen finden (Kreuzung Avenue / Boulevard). Noch ein schnelles, ungesundes Frühstück bei Burger King. Wir machen die Erfahrung, dass die großen Fast Food Ketten die besten W-LAN Verbindungen bereitstellen, also noch schnell ein neues E-Book herunterladen und weiter. Die Landschaft ist zunächst genauso trostlos, wie das morgendliche Örtchen Green River, ein vom ersten Eindruck her eher sterbender Flecken. Erst auf dem 24er Highway wird es interessant. Die Fahrt dauert nicht lang, aber da man den Zeltplatz an unserem Ziel nicht buchen kann, wollen wir früh da sein.

Der Capitol Reef Nationalpark

Wir fühlen uns sofort wohl. Ein großzügiger Zeltplatz inmitten einer grünen Oase, Zelten auf Rasen (!) unter großen Pappeln, umgeben von Obstplantagen. Abends werden die umliegenden Felsformationen dramatisch von der Sonne in warme, strahlende Rot- und Orangetöne getaucht.

Wir stellen unsere Zelte auf und – da es leicht regnet – fahren wir erst einmal shoppen ins nächste Örtchen (Torrey), ein sympathisches Dorf mit einem gemütlichen General Store mit großer Veranda und allem, was man so braucht. Frauen können in Torrey zur rechten Zeit auf das Red Rock Women’s Music Festival gehen (Singer/Songwriter Music). Eine Bücherei steht für jeden offen. Wenn man sich das Schwarze Brett im Laden anschaut, so stellt man fest, dass hier einiges los ist, hier ein Kneipenkonzert, da eine Ausstellung, hier ließe es sich leben…

Gifford Homestead

Gifford Homestead

Zurück im Capitol Reef Nationalpark schlemmen wir weiter (es regnet). Im Gifford-Homestead, direkt neben dem Zeltplatz kann man prima Kaffee und Tee oder ein Kaltgetränk trinken und lecker Pies, Cinnamon Roles oder selbstgemachtes Eis genießen. Unter einem Vordach machen wir es uns gemütlich und spielen Karten. Neben uns tut sich ein Hirsch gütlich an Birnen, Kolibris schwirren durch die Luft. Später machen wir noch einen schönen Spaziergang am Fluss entlang durch die Obstplantagen, entlang den unzähligen Bewässerungsgräben mit ihrer herrlichen glucksenden Geräuschkulisse und pflücken uns ein paar frühe Äpfel. Abends klart es auf. Der Sternenhimmel lässt uns einmal mehr staunen. Herrlich entspannt. Wir befinden uns in einer alten Kulturlandschaft.

Hier am Fremont River haben seit Menschengedenken verschiedene Indianerstämme und Kulturen (Fremont Kultur) gelebt. Später übernahmen die Mormonen diesen Ort und fingen mitten in der Wüste an Obstbau zu betreiben und Gärten anzulegen. Durch die alten Bewässerungsgräben rauscht heute noch das Wasser. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das hier produzierte Obst bis nach Salt Lake City geliefert. Heute sorgt der Nationalpark Service dafür, dass dieses Erbe erhalten bleibt.

Der Capitol Reef Nationalpark ist kein Nationalpark, der einen sofort und unmittelbar mit seinen monumentalen Reizen überwältigt. Er will vielmehr entdeckt werden. Gut für uns. Die meisten Menschen machen hier nur eine kurze Stippvisite und fahren durch zu den glanzvolleren Schwestern Zion, Bryce und Arches. Wir genießen die Ruhe und Gelassenheit, die dieser Ort ausstrahlt.

Wanderung auf dem Chimney Rock Loop Trail (5,9 Kilometer)

Chimney loop trail

Chimney loop trail

Der Aufstieg zum Chimney Rock und der Blick von oben auf die große Verwerfung mit dem Highway, der sich wie ein gerader Strich durch das rote Land zieht, lässt einen erahnen, wie klein sich die Menschen hier früher in der Weite gefühlt haben müssen. Wer abends hierher kommt, wird perfektes Licht für Bilder im Sonnenuntergang bekommen. Im Hinterland laden poröse Sandsteinfelsen zum Kraxeln und Klettern ein. Kolibris schwirren durch die Halbwüste. Wenn man genau hinschaut, findet man in kleinen Senken und Mulden immer wieder hübsche Wüstenblumen. Zurück geht es durch einen kleinen Canyon. Achtung – und dies gilt für alle Wanderungen hier –  der Nationalpark ist Berglöwengebiet. Wir haben die Kinder im Blick und laufen zusammen.

Zur größten Mittagshitze am frühen Nachmittag sind wir wieder zurück. Natürlich haben wir, wie bei allen Wanderungen, immer genügend zu Trinken dabei (2-3 Liter pro Person). Wir chillen danach auf dem Zeltplatz, spielen Frisbee im Schatten und lassen es uns mit leckeren Kirsch- oder Erdbeer-Rhabarber Pies gut gehen. Hirsche ziehen an uns vorbei, äsen unter den Obstbäumen.

Wanderung zur Hickman Bridge (2,8 Kilometer) 

Hickman bridge trail

Hickman bridge trail

Am frühen Abend brechen wir zu unserer Wanderung zur Hickman Bridge auf. Vom Trailhead direkt am Fremont River folgen wir einem schmalen Pfad durch herrliche, z.T. ausgehöhlte Sandstein Felsformationen, eine richtige Cowboy Szenerie. Dann kommt der riesige Felsbogen, der einen Vergleich mit den Felsbögen des Arches Nationalpark nicht zu scheuen braucht. Hier und da ein paar Wanderer, die sich aber in der Weite verstreuen. Wir wandern durch den Bogen hindurch. Der niedrige Sonnenstand beleuchtet die umliegenden Felsmassive und zeigt die Felsstrukturen wie Kunstwerke. Unten am Trailhead noch schnell ein Bad im Fluss. Herrlich! Und abends wieder dieser Sternenhimmel, nachdem die glutroten Felsen in ein violett schimmerndes Dunkelblau verschwimmen.

Arche auf dem Hickman- bridge-trail

Arch auf dem Hickman bridge trail

Wanderung durch den Grand Wash (7,2 Kilometer Hin- und Rück, verlängerbar durch Abstecher zum Cassidy Arch)

Am nächsten Tag wechseln wir die Perspektive. Statt von oben auf die Landschaft und die Weite zu schauen, betrachten wir die Welt nun mit staunenden Blicken von unten nach oben auf unserer Wanderung durch den Grand Wash. Wir steigen in den Canyon ein, der sich schnell verengt. Wir wandern mit unseren Kindern durch ein steiniges und manchmal sandiges Trockenflussbett, durch das sich bei einem gelegentlichen Sturzregen plötzlich Wassermassen wälzen, ohne die Chance irgendwo entkommen zu können. Die Felswände ragen z.T. senkrecht über hundert Meter in die Höhe. Die geschliffenen und ausgehöhlten Sandsteinfelsen sind ein Zeugnis der Naturgewalten von Wasser, Wind  und Sonne. Die Wände sind manchmal so eng beieinander, dass man den Himmel nur als schmales blaues Band sieht. Ab und zu schwirren Kolibris an uns vorbei. An der Straße am Ende des Canyons angekommen, heißt es wieder umkehren. Langweilig? Keinesfalls. Den Canyon zurück zu wandern, bietet neue Perspektiven, neue Blickwinkel.

Grand wash trail

Grand wash trail

Leider ist der Scenic Drive zur Capitol Gorge gesperrt. Das Pioneer Register hätten wir uns gerne noch angeschaut und den Old Wagon Trail wären wir gerne auch gewandert. Vielleicht beim nächsten Mal. Neben den Canyonlands bleibt der Capitol Reef  Nationalpark einer unserer Lieblingsorte in der langen Reihe  der vielen Naturwunder in diesem Teil Nordamerikas, gerade, weil er so unaufgeregt und ehrlich daherkommt.

Nachmittags, nach unserer üblichen Kaffee-Mittagspause, schauen wir uns die Petroglyphen der Fremont Kultur an den roten Felswänden im warmen Nachmittagslicht an und beobachten wilde Truthähne am Fluss. Wir beenden den aktiven Teil des Tages mit Flussbaden und Frisbeespielen auf dem Zeltplatz. Später bestaunen wir mit unseren Kindern die vielen Sternschnuppen am Nachthimmel.

Abendstimmung am Zeltplatz

Abendstimmung am Zeltplatz

Capitol Reef – der Nationalpark – ein unaufgeregter Ort voller Möglichkeiten und Entdeckungen, ein entschleunigter Ort, ein Ort auf unserer Lieblingsortliste unserer Reise.

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