Reise-Kids

Mit Kindern die Welt entdecken

Wandern in den bayerischen Alpen

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Fangen wir mal gaaanz klein an!

rmp6.1Vor drei Monaten bekamen wir unser erstes Kind. Eine aufregend neue Zeit begann damit für uns. Die Tagesabläufe werden von nun an von unserem kleinen Racker bestimmt. Beim ersten Kind ist das eine immense Umstellung des Lebensrhythmus, an den man sich erst gewöhnen muss. So sind auch die ersten Wochen für uns eine aufregende Zeit mit diesem kleinen unbekannten Wesen – ein Abenteuer, auf das wir uns jedoch gerne einlassen.

Nach elf Wochen haben wir uns ausreichend beschnuppert und kennengelernt, so dass wir es wagen unserem kleinen „Frosch“ mehr zu zeigen als das Dach des Kinderwagens (den er sowieso hasst) und das bunte Mobile an seinem Wickeltisch (an dem er ebenfalls wenig Interesse zeigt). Kurzum, wir fahren in die Berge zum Wandern. Wir wollen nur eine Woche unterwegs sein, denn, wie gesagt, gehen wir es gaaanz langsam an.

Ankunft am Walchensee und Wanderung auf den Jochberg

Nach unseren fast schon obligatorischen Verwandtschaftsbesuchen auf unseren Reisen, landen wir am zweiten Tag über Murnau kommend am Walchensee. Zuvor stand nur das grobe Ziel fest. Dass wir dann am Walchensee gelandet sind, lag ganz allein an der schönen Landschaft, die uns hier eben ganz besonders gut gefiel. Es ist gerade Mitte Mai und in den Tälern der Voralpen noch recht kalt, weshalb wir eine Ferienwohnung dem Aufenthalt auf einem Campingplatz vorziehen.

In den ersten zwei Tagen unseres Aufenthalts regnet es leider ununterbrochen, so dass wir uns nur kleine Ausflüge in der Umgebung  zutrauen.

Auf den letzten Metern zum Jochberg

Auf den letzten Metern zum Jochberggipfel

Am dritten Tag jedoch hört es unvermittelt auf zu regnen und wir können unsere erste ernsthafte Wanderung in Angriff nehmen. Die Besteigung des 1.500 Meter hohen Jochberges gilt als eine der schönsten Wanderungen in der Umgebung, da man von ihm aus einen herrlichen Blick über den Walchensee und seine Umgebung hat. Für uns von Vorteil ist auch, dass keine Seilbahn hinaufführt und man sich den Weg nur mit wenigen Wanderern teilen muss.  Der Aufstieg ist nicht sehr mühsam, doch anstrengend genug, dass ich ab und zu stehen bleiben muss, um zu verschnaufen. Die Geburt ist ja kaum zwölf Wochen her und meine Kondition noch etwas dürftig. Unser kleiner Mann übrigens hat den gesamten Aufstieg verschlafen. Meine ständige Sorge – mein Mann meint, ich sei ja schon hysterisch – unser Kleiner wäre nicht warm genug eingepackt, ist natürlich unbegründet. Beim mehrmaligen Griff in sein Tragetuch am Bauch von Papa stelle ich fest, dass das Kind schön warm ist und immer noch atmet (Es könnte ja auch sein, dass es da drinnen zu wenig Luft bekommt.). Mein Mann verdreht genervt die Augen, als ich nach wenigen hundert Metern schon wieder den „Wärmetest“ verlange und ein Lebenszeichen von meinem Kind brauche. Frischgebackene Mütter sind wirklich nervig, denkt er sich sicherlich. Davon lasse ich mich jedoch nicht beirren. Ist es doch mein erstes Kind, und ich möchte wirklich nichts falsch machen.

Am Gipfel angekommen merke ich erst, wie platt ich eigentlich bin. Erschöpft lasse ich mich auf den Steinen unterhalb des Gipfelkreuzes nieder und möchte schon wieder nach meinem Kind grabschen, aber mein Mann dreht sich einfach weg. So eine Frechheit!

Blick vom Jochberg auf den Walchensee

Blick vom Jochberg auf den Walchensee

Es ist heute stark bewölkt und leider auch sehr kalt und windig hier oben. Jetzt wäre es eigentlich an der Zeit das Kind zu Stillen, aber der Kleine ist, durch das starke Schwitzen meines Mannes, leider sehr feucht geworden. So möchte ich ihn natürlich nicht dem kalten Wetter aussetzen. Also warten wir noch, bis wir auf dem Rückweg  an einer Hütte unterhalb des Gipfels vorbeikommen. Heute ist leider Ruhetag, aber es scheint jemand hier zu sein. Eine etwas verdutzt dreinschauende Wirtin öffnet die Türe und lässt uns selbstverständlich herein, damit wir das Kind stillen und umziehen können. Unser Kleiner hat das verspätete Mittagessen sehr gelassen zur Kenntnis genommen. Satt und offenbar gut gelaunt liegt er auf dem Tisch und flirtet mit der netten Wirtin. Diese ist sehr angetan von dem kleinen Spatz. Es kommt nicht oft vor, dass sie so junge Gäste hat, teilt sie uns mit.

Beim Abstieg fängt es leider an zu regnen, und so kommen wir drei ziemlich nass am späten Nachmittag wieder in der Ferienwohnung an, um den verbleibenden Tag zu verschlafen.

Wanderung auf den Herzogstand

Am nächsten Morgen scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel und die Temperaturen sind um ein vielfaches angenehmer als gestern. Heute wollen wir den Hausberg in Angriff nehmen. Der Herzogstand gehört zu den meist begangenen Wanderungen am Walchensee. Leider ist der Berg auch mit einer Seilbahn zu erreichen, sodass sich dort Fußkranke gegenseitig auf dieselben treten. Zudem ist heute noch ein Feiertag, was Ausflügler, bei dem schönen Wetter, in Scharen auf den Berg treibt. Auf dem Parkplatz am Fuß des Berges ist kaum noch ein Durchkommen, was meinen Ansporn, den Berg zu besteigen, enorm schmälert. Der Herzogstand ist mit 1.700 Meter der höchste Berg am Walchensee. Von ihm aus hat man den besten Blick in die österreichische Bergwelt und die deutsche Voralpenlandschaft. Über eine breite, mäßig ansteigende Forststraße führt der Weg zur Alm. Natürlich gibt es noch einen direkten, etwas steileren Anstieg, doch noch habe ich keine Lust auf sportliche Kraftakte.

Beim Aufstieg auf den Herzogstand

Beim Aufstieg auf den Herzogstand

Alleine sind wir heute nicht unterwegs. Eine Karawane von Menschen schiebt sich den Berg hinauf. Wir lassen uns viel Zeit mit unserem Prinzen und genießen das herrliche Wetter und die wirklich wunderschöne Landschaft. Heute habe ich das Kind nicht so warm eingepackt wie gestern und kann während des Aufstiegs auch weitgehend meine Finger von ihm lassen. Oben angekommen sind wir ein wenig entsetzt über das, was uns erwartet. Mit solchen Menschenmassen haben wir nicht gerechnet. Mehr als die Hälfte der mehreren hundert Gäste müssen wohl mit der Seilbahn auf den Berg gekommen sein. Auf der Terrasse finden wir keinen Sitzplatz mehr, weshalb ich mich zum Stillen lieber in die Natur zurückziehe. Wie schön war es da doch gestern, als wir alleine mit unserem Kind am Gipfel standen, trotz der Kälte und des Regens. Irgendwie scheine ich mit dem Massentourismus nicht viel anfangen zu können, auch wenn ich zugegebenermaßen ein Teil von ihm bin.

Auf dem Gipfel des Herzogstandes

Unser Sohn auf dem Gipfel des Herzogstandes

Nachdem unser Kind „abgefüllt“, gewickelt und wieder umgezogen ist, können wir uns erst stärken. Lange halten wir es jedoch nicht an der riesigen Hütte auf. Recht schnell begeben wir uns zum eigentlichen Gipfel, zu dem ein, von weitem zu sehender, Serpentinenpfad in Schlangenlinien hinaufführt.  Wir reihen uns in den Pilgerstrom ein und laufen schön in Reih′ und Glied wie Lemminge auf einer Spur nach oben. Überholen geht fast nicht, da auf dem schmalen Pfad fast ununterbrochen von oben Gegenverkehr kommt. Endlich oben angekommen haben wir wirklich einen wundervollen Blick über die Bergwelt der österreichischen und deutschen Alpen. Jetzt wird auch unser Kind endlich munter und wacht langsam auf. Prima! Dann kann er jetzt mal unsere schöne Heimat sehen. Er windet sich ein wenig, schaut schlaftrunken aus seinem Kängurubeutel heraus, um den Kopf gleich wieder in sein sicheres „Nest“ zurückzuziehen und an seinem Daumen zu lutschen. Ich bin enttäuscht. So wenig interessiert er sich für die Welt. Na, dann kriegt er halt wieder sein Mobile zu sehen, wenn wir Zuhause sind. Das interessiert ihn nämlich genauso. Glücklicherweise bin ich nicht nachtragend, und ehrlich gesagt ist mir schon klar, dass einen Säugling von gerade einmal drei Monaten außer die Mutterbrust nicht sehr viel interessiert. Ich nehm´s also sportlich und wir steigen ab.

Kleine Schönheiten am Wegesrand

Kleine Schönheiten am Wegesrand

Abschied vom Walchensee

Am nächsten Tag verlassen wir schon wieder den schönen Walchensee und fahren nach Garmisch Partenkirchen. Eigentlich hatten wir geplant, auf die Zugspitze zu fahren, doch das Wetter ist heute leider nicht gerade vielversprechend. Deshalb laufen wir lieber durch die Partnachklamm.

Am letzten Reisetag unternehmen wir noch eine kleinere Wanderung in Oberammergau und damit ist unser Urlaub leider auch schon wieder zu Ende. Unser Kind hat diese Reise, wie es scheint, ohne sichtlichen Schaden überstanden. Im Sommer – so ist der Plan – werden wir dann unsere erste gemeinsame Familien-Fahrradtour unternehmen. Schau´n wir mal!

Welche Erfahrung habt Ihr mit euren ganz kleinen Mäusen gemacht? Schreibt sie mir!

Wer konkrete Fragen zum Reiseziel hat, kann mich gerne über das Kommentarfeld ansprechen.

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