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Österreich – eine Fahrradtour mit Kindern von Passau nach Wien auf dem Donauradweg

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Wegweiser auf dem DonauradwegVier Fahrräder werden aus dem Bus ausgeladen. Zum ersten Mal. Vier große Gepäcktaschen finden auf den beiden großen Rädern Platz und nicht mehr. Zum ersten Mal. Vier weitere Fahrradtaschen – darunter zwei Rollsäcke – werden auf drei Fahrrädern verteilt, nach Größe und Kraft des Fahrers. Auch zum ersten Mal. Vier aufgeregte Personen wuseln auf dem engen Fußgängerweg hin und her. Die Kinder etwas planlos, aber voller Vorfreude und die Erwachsenen, damit alles schnell seinen Platz findet und endlich losgehen kann.

Wir sind auf dem Weg nach Wien. Und diese Fahrradtour wird eine Premiere sein. Eine Premiere auf die wir Eltern lange sehnsüchtig gewartet haben. Wir werden das erste Mal ohne schweren Kinderanhänger unterwegs sein und unsere Tochter fährt in diesem Jahr zum ersten Mal eigenständig auf ihrem Fahrrad. Wenn das nicht ein Grund zur Freude ist, denkt man an die Jahre zurück, in denen man auch nur bei der kleinsten Steigung vor Anstrengung geschnauft und – ob  des mächtigen Gewichts – innerlich  Warten auf die Fährevor Wut geflucht hat. Wie kann man mit nur zwei Kleinkindern so viel Gepäck mit sich herum schleppen? Diese Frage konnte ich meinem lieben Mann all die Jahre leider nicht beantworten, aber dies gehört nun endlich der Vergangenheit an. Wir radeln ab heute sozusagen einem neuen Gepäck-Zeitalter entgegen und freuen uns darüber wie kleine Kinder. Weise haben wir uns für diese Premiere eine leicht zu radelnde Strecke ausgesucht. Der Teilabschnitt des Donauradweges zwischen Passau und Wien folgt über 340 Kilometer ohne nennenswerte Steigungen dem Lauf des zweitgrößten Stroms Europas der Hauptstadt Österreichs entgegen. Kurz gesagt ist die Strecke brettflach und geht tendenziell sogar bergab. Wir wollen unserer siebenjährigen Tochter ja nicht schon bei der ersten selbst gefahrenen Radtour die Freude am Fahrradfahren nehmen.

on the road againNoch sind alle Familienmitglieder guter Dinge. Das Wetter ist vielversprechend was die Stimmung sogar noch anhebt, als wir Richtung österreichische Grenze losradeln. Unserer Tochter tritt voller Begeisterung energisch in die Pedale und wir betrachten mit leichtem Schmunzeln ihre fliegenden Beinchen.  Dennoch haben wir alle Mühe sie nicht aus den Augen zu verlieren, da wir uns am ersten Radeltag erst an das ungewohnte Gewicht gewöhnen müssen. Das kleinere Fahrrad ohne Gewicht gleicht doch tatsächlich den Vorteil des größeren Radumfangs der Erwachsenenräder, die natürlich schwerer sind, aus. Aber nicht lange. Wie zu erwarten gibt unsere kleine Göre alles (Kinder kennen nun mal keine Krafteinteilung) und ist nach wenigen Kilometern aus der Puste. Sie verlangt nach einer Trinkpause. Kein Problem, wir sind ja nicht auf der Flucht, sondern auf dem Weg in unseren Urlaub. Nach weiteren zwei Kilometern möchte sie zur Stärkung gerne ein paar Durch die schöne WachauGummibärchen haben, worauf die Tüte durch alle anwesenden Hände wandert. Stark dezimiert packe ich die Tüte nach fünf Minuten schnell wieder in meine Lenkertasche, damit wir endlich weiterfahren können. Die energiesteigernde Wirkung der bunten Bärchen währt jedoch nicht lange. Nach weiteren drei Kilometern wird erneut nach einer Trinkpause verlangt. Und natürlich wieder Gummibärchen. Langsam wird mir bewusst, dass wir in diesem Tempo unser Ziel (Wien) erst in einigen Wochen erreichen werden. An eines der Erwachsenenräder können wir das Rad unserer Kleinen leider nicht mehr ankoppeln. Bewusst haben wir die doch sehr praktische Anhängestange zuhause gelassen.  Guter Ra(d)t ist nun teuer. Zum Glück sind wir solche, oder ähnlich, ausweglose Situationen von früheren Reisen gewohnt. Wir finden eigentlich fast immer eine Lösung für auftretende Schwierigkeiten und Probleme. So auch dieses Mal. Unsere Tochter wird einfach angeschoben. Mein Mann legt seine Hand an ihre Schulter und schiebt sie so vor sich her. Es dauert einen halben Tag, bis sich die beiden an die sehr eigenartige Fahrweise gewöhnen, aber dann fahren beide – quasi Hand in Arm – so selbstverständlich nebeneinander An der schönen blauen Donauher, als hätten sie es noch nie anders getan. So fährt meine Tochter kurze Strecken des Tages alleine. Wenn sie allerdings meinen Mann hinter sich wähnt, wandert ihr kleiner Arm reflexartig nach oben, als Zeichen dafür, dass sie ein wenig Erholung braucht.

Diesen Kräfte-Nachteilsausgleich sieht unser selbst fahrender Sohn allerdings als Bevorzugung an, was über unsere gesamte Tour hin und wieder zu unangenehmen Auseinandersetzungen mit dem vermeintlich Benachteiligten führt. Die Dialoge hören sich dann in etwa so an: „Warum werde ich nicht geschoben?“ – „Weil du es aus eigener Kraft schaffst.“ – „Immer wird sie bevorzugt.“ – „Aber Schatz, das stimmt doch gar nicht.“ – „Stimmt aber wohl! Ich fahr jetzt nicht mehr weiter!“ – „Ach, Paul, bitte!“ – „Nein! Ich will jetzt auch geschoben werden!“ – „Schau mal, Paul, da fährt ein großes Frachtschiff auf der Donau!“ – „ Is mir doch scheißegal!“ –  „Hm.“ Es folgt eine längere Redepause, in der wir schweigend nebeneinander herfahren. „Ich halte jetzt einfach an.“ –„ Ja, Paul. Das machst du!“ – „Das mach ich wirklich!“ – (schmeichelndes und gedehntes) „Paul?“ – Schweigen als Antwort. „Siehst du da vorne die Häuser? Das ist die Wo geht´s zur Eisdielenächste Stadt, in die wir kommen.“ Weiterhin schmollendes Schweigen. „Also, wenn wir dort ankommen bekommst du ein extra großes Eis. Versprochen?“ – Kritischer Blick. „Aber ein viiiiiel größeres als die Clara, sonst fahr ich nicht mehr weiter!“ – „Na klar, bekommst du ein größeres Eis.“ (Ich weiß ja, dass meine Kleine nie so viel Eis verdrücken kann wie mein Großer) Aufhellende Miene. „Mama. Ich fahr schnell schon mal vor, damit ich als erstes mein Eis bekomme.“ Es gibt doch nichts über zweifelhafte Erziehungspraktiken, die aber nie ihre gewünschte Wirkung verfehlen.

Ach ja, ich habe ganz vergessen etwas über unseren eigentlichen Urlaub zu erzählen.  Wir hatten zwei sehr schöne Wochen an der Donau und in Österreich. Viele Abschnitte des Donauradweges sind traumhaft schön, die Radwege durchgängig und einfach zu radeln.

Das Highlight dieser Radtour wartete in Wien auf unsere Kinder. Der Prater. Sie durften einmal mit dem weltbekannten Riesenrad fahren und erfreuten sich an vielen weiteren Attraktionen, die die ganzjährige Wiener Kirmes zu bieten hat.

Auf dem Weg zum PraterEs gab wie immer auf unseren Radreisen viele interessante Begegnungen mit freundlichen Einheimischen und nette Gespräche mit Gleichgesinnten auf den Campingplätzen. Wir lernten auch wieder besondere Menschen kennen, deren Bekanntschaft sich im Laufe der Jahre zu einer echten Freundschaft entwickelt hat.

Und Walzer brachten wir unseren Kindern natürlich auch noch bei, und zwar im vierviertel Takt. Denn zwei und zwei sind vier, und vier Viertel sind ein Ganzes, so wie wir uns als Familie fühlen.Am Donauradweg nach Wien

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