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Korsika – der Fernwanderweg Mare e Monti mit Kindern 9. und 10. Etappe

| 3 Kommentare

9. Etappe: Marignana – Refuge E Case  

Höhenmeter: ↑630, ↓ 740

Etappenlänge: 18 km

Vorletzte Etappe auf dem Mare e MontiUnsere benötigte Zeit: 8,5 Std. inkl. ca. 2 Std. Pause Am neunten Tag unserer Wanderung auf dem Mare e Monti scheint am frühen Morgen wieder einmal die Sonne vom wolkenlosen Himmel.

Wir haben heute die längste Etappe auf dem Fernwanderweg Mare e Monti vor uns und starten diese Wanderung mit dem dafür nötigen Respekt, und einer zusätzlichen Ration Trinkwasser. Zwar soll es auf dieser Etappe eine Quelle geben, wir verlassen uns jedoch nicht darauf, da wir schon mehrfach trotz vorhergesagter Quelle unterwegs kein Wasser bekamen, d.h. die Quellen waren ausgetrocknet.

Wegweiser zur Gite d EtapeWir starten gegen 9 Uhr an der Gite und laufen durch das hübsche Bergdorf Marignana bergan. Man sollte mit wachsamen Auge auf die Beschilderung achten, denn der Wegweiser für den Mare e Monti wird auf der breiten Dorfstraße gerne übersehen. Auch wir laufen einfach am Wegweiser vorbei und werden von einer netten Postbotin auf den richtigen Weg hingewiesen.

Der Mare e Monti beginnt mitten im Dorf und führt rechts von der Hauptstraße ab auf einem Feldweg steil bergan. Außerhalb des Dorfes wird der Weg breiter. Auf einer breiten Forststraße läuft man nun zunächst gemäßigt bergauf. Am Rande des Weges stehen wieder die uns mittlerweile vertrauten Kastanienbäume. Etwa 2 Kilometer führt der Mare e Monti durch lichte Wälder und niedrige Macchia. Auf einem kleinen Plateau (Bocca a Mamucciu) müssen wir uns rechts halten. Hier trifft man auch auf die südliche Variante des Mare a Mare Nord, der halblinks in die andere Richtung führt. Aufpassen, dass man hier auf dem richtigen Weg bleibt! Wer sich rechts gen Westen hält, läuft auf jeden Fall richtig. Wilde Hausschweine auf WanderschaftAuf dem Plateau treffen wir zum ersten Mal auf halbwilde Hausschweine, die sehr neugierig auf unsere Rucksäcke schielen. Wahrscheinlich vermuten sie dort etwas Leckeres. Wir füttern die borstigen und putzigen Tiere jedoch nicht, sondern erfreuen uns nur an ihrer Anwesenheit.

Nun führt der Mare e Monti über mehrere Kilometer über verschiedene Bergrücken stetig in die Höhe. Dieser Abschnitt, der auf die Bocca Acquaviva auf eine Höhe von 1.102 Meter führt, ist für uns der absolut schönste Streckenabschnitt auf dem gesamten Mare e Monti. Es ist wirklich ein Traum! Man wandert entlang der Berghänge meist durch niedrige bis halbhohe Macchia mit vielen wild wuchernden Bergblumen stetig bergauf. Der wunderschöne Wegeverlauf und die atemberaubenden Ausblicke auf die korsische Bergwelt sind ein Traum für jeden Wanderer. Zum besseren Verständnis lasse ich hier lieber Bilder sprechen. Entlang des BerghangsImmer wieder durch niedrige MacchiaGinsterbüsche sind hier keine SeltenheitKurze Pause mit AussichtDer letzte Anstieg zur Bocca Acquaviva kann durchaus als anstrengende Bergwanderung gewertet werden, da der Weg jetzt über viele Steine und Geröll führt und deutlich steiler wird. Oben kann man auf einer geschützt gelegenen Wiese pausieren und – bei gutem Wetter – einen weiten Fernblick über Korsikas Gipfel im Osten und der Meeresküste im Westen genießen. Letzter AnstiegDSC_0209 KopieDSC01722 Kopiemit Blick in die BergeKorsika - wohin man auch schautBergab geht es zunächst gemäßigt bis zur Ruine Bergerie Casta (immer noch mit wunderschönen Ausblicken), dann in sehr steilen Serpentinen nach unten ins Tal. Der Weg wird wieder zunehmend schlechter mit deutlicher Rutschgefahr auf unbefestigter Erde. Nach einem endlos erscheinenden Abstieg hat man irgendwann die Talsohle erreicht. Jetzt läuft man an der Hangkante eines Berges entlang, mehrere Kilometer in moderatem Auf und Ab aus dem Tal hinaus. Die ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation sind die Reste einer alten Kupfermine auf der anderen Talseite, die hier irgendwie deplatziert wirken. Der Weg führt weiter und weiter aus dem Tal hinaus, als wolle er niemals enden. Man läuft jetzt auch wieder durch dichten, schattigen Wald. Irgendwann trifft man auf einen Wegweiser, der unmissverständlich zur Refuge E Case weist. Wir denken, endlich angekommen zu sein. Tatsächlich müssen wir jedoch noch einige hundert Meter über einen Hohlweg, der steil bergauf führt, hinauf zur Herberge laufen. Abstieg zur Ruine Bergerie CastaDas Regue E Case ist wunderschön gelegen und bietet neben einem urigen Matratzenlager auch die Möglichkeit zu zelten. Der Besitzer der Berghütte muss jeden Tag zur Versorgung der Gäste die Lebensmittel vom nahegelegenen Dorf heraufbringen, weshalb man sich vorher telefonisch unbedingt anmelden sollte. Neben einer Stehtoilette gibt es sogar eine Dusche, deren Wasser mit Solarzellen erwärmt wird. Auf den sparsamen Umgang mit Wasser wird man freundlich hingewiesen. Trinkwasser gibt es hier nicht, man muss es entweder in Flaschen kaufen oder selbst sterilisieren.

Nach einem üppigen Abendessen (das im Preis der Lage angemessen ist!) fährt der Wirt ins Tal zurück, um erst am nächsten Morgen wiederzukommen. Wir sind mit uns und der wundervollen Natur um uns herum alleine. Einfach wildromantisch! Blick von der Gite ins Tal und an die Küste

Fazit der 9. Etappe:

Eine wirklich lange und anstrengende Etappe, die aber nach so vielen gewanderten Tagen und der damit gestiegenen Kondition gut zu bewältigen ist. Die 9. Etappe bietet eigentlich alles, was man als Wanderer begehrt, gut zu laufende Wege in Verbindung mit atemberaubenden Fernsichten und im Frühjahr eine bezaubernde und betörend duftende Blütenpracht. Teile dieser Etappe sind durchaus anstrengend, und aufgrund der Gesamtlänge ist diese 9. Etappe des Mare e Monti aus unserer Sicht für kleine Kinder unter ca. 8 Jahren nicht geeignet. Wer den Mare e Monti von Süden aus beginnt muss bedenken, dass diese Etappe für einen zweiten Wandertag sehr anstrengend ist.

Als mittelschwere Bergwanderung mit einer ordentlichen Länge von 18 Kilometern befinden wir diese Etappe für Kinder ab ca. 10 Jahren als geeignet und für Kinder ab 8 Jahren als bedingt geeignet. 

10. Etappe: Refuge e Case – Cargèse

Höhenmeter: ↑390, ↓ 920

Etappenlänge: 13 km

Aufbruchstimmung an der Refuge E CaseUnsere benötigte Zeit: 5,5 Std. inkl. ca. 1 Std. Pause Der nächste Morgen stimmt uns ein wenig wehmütig, in dem aber auch ein bisschen Stolz mitschwingt. Heute werden wir den Mare e Monti beenden. Noch vor einer Woche hätte ich niemals geglaubt, dass wir mit unseren Kindern den gesamten Mare e Monti laufen würden. Jetzt haben wir es doch geschafft und festgestellt, dass es zwar nicht immer einfach war, aber durchaus möglich.

Der letzte Wandertag begrüßt uns wieder einmal mit strahlendem Sonnenschein. Auch das war für uns ein Grund den Mare e Monti komplett zu laufen: das gute Wetter. Bei Regen und Kälte hätten wir wahrscheinlich viel früher die Flinte ins Korn geworfen, wie man so schön sagt. Gut laufbarer Weg auf der letzten EtappeVon der Refuge E Case aus verpassen wir den Wanderweg zunächst und laufen erst einmal bergan, um nach wenigen Metern festzustellen, dass wir falsch gelaufen sind. Von der Herberge aus muss man geradeaus in den Wald laufen. Dort findet man wieder die orangen Markierungen des Mare e Monti. Der Weg führt zunächst flach und gut begehbar über den nächsten Hügel mit schönen Ausblicken über die korsische Küstenlinie. Danach führt der Weg wieder einmal steil hinab ins Tal zum Fluss Rau d´Esigna. Auf einer unspektakulären Forststraße läuft man nun ca. vier Kilometer durch das Tal Richtung Westen, bevor der Mare e Monti wieder links den Berg hinaufführt. Durch einen Wald, bei dem man kaum noch einen Blick ins Tal erhaschen kann, führt der Mare e Monti jetzt wieder steil bergauf auf eine Höhe von 385 Meter.  Dieser letzte Anstieg ist nicht lohnenswert. Kann man doch den Berg locker im Tal umlaufen. Wer allerdings den Mare e Monti komplett laufen möchte, muss diesen Anstieg noch bewältigen. Blick ins Tal und zur KüsteWir nähern uns wieder der Zivilisation, deutlich zu erkennen an vereinzelten Müllresten am Wegesrand. Wir passieren Felder, Weideland und vereinzelte Bauernhöfe. Von der Bergkuppe aus führt der Mare e Monti auf steinigen, aber nicht sehr steilen Wegen bergab. Von oben haben wir immer wieder nette Ausblicke auf unser Ziel (Cargèse) und die Westküste Korsikas. In Cargèse endet der Mare e Monte abrupt, ganz ohne Zieleinlauf oder besonderen Hinweis einen kompletten Fernwanderweg von 127 Kilometer Länge bewältigt zu haben. Trotzdem sind wir glücklich und stolz. Das Ziel – unser Ziel – des Mare e Monti ist erreicht!Das Ziel: CargèseIn Cargèse gibt es keinen Campingplatz. Der nächste befindet sich 4 km außerhalb. Es bestehen gute Busverbindung nach Porto und Ajaccio.

Fazit der 10. Etappe:

Die letzte (oder erste) Etappe des Mare e Monti bietet kaum landschaftliche Höhepunkte, dafür aber einen, auf weite Strecken, gut laufbaren Weg, der mit einer mittleren Kondition sehr gut zu wandern ist, und aus unserer Sicht auch mit kleineren Kindern (als Tagesetappe) gelaufen werden kann. Mit der schönen Berghütte als Übernachtung könnte man am nächsten Tag auch auf anderen Wegen zurück nach Cargèse wandern und es so zu einer zweitägigen Rundtour ausbauen.

Als Tages-Etappe für Kinder unter 8 Jahren geeignet und für Kinder ab 8 Jahren gut geeignet!

Für alle Informationen auf diesen Seiten habe ich viel Mühe und Zeit investiert, um sie jedem zur Verfügung zu stellen, der den Mare e Monti mit seinen Kindern wandern möchte. Da alle diese Informationen aus ersten Hand sind und ich persönlich keinerlei finanziellen, oder sonstigen, Vorteil davon habe, freue ich mich besonders über ein Feedback von euch in Form eines Kommentars zu dieser Seite als kleines Dankeschön.

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3 Kommentare

  1. Hallo!
    Es freut uns immer, auch über andere wanderbegeisterte Familien zu lesen. Die Wanderung, die ihr hier beschrieben habt, klingt wirklich klasse! Das wäre ganz bestimmt auch etwas für uns. Bericht ist schon einmal gespeichert für die Zukunft!

    Wünschen euch weiterhin noch ganz viel Spaß beim Wandern mit den Kindern!
    LG aus dem hohen Norden,
    Hartmut

    • Hallo Hartmut,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, im letzten Jahr haben wir das Wandern so richtig für uns entdeckt. Zuvor haben wir mehrtägige Touren eigentlich immer nur mit dem Fahrrad gemacht. Das soll sich jetzt ändern. Mal sehen wie lange unsere Kinder noch dabei sind (Pubertät lässt Grüßen 😉 )

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