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Deutschland – Kanufahren mit Kindern von Schlierbach bis Kassel auf Schwalm, Eder und Fulda

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von Volker Otter

Enge Durchlässe im Weidendickicht

Amazonasfeeling in Nordhessen:

Die Schwalm – ein Kleinfluss, einer der letzten in Nordhessen mit nur sehr wenig Infrastruktur für Paddler, ein Kleinfluss mit ursprünglichen, wilden Abschnitten, klein, fein und grün. Ein Premiumfluss für Vegetarier, die Grünzeug lieben…

Wir sind mit unseren beiden Kindern (acht und zwölf Jahre) und unserem Faltkanadier in Schlierbach (10 Kilometer flussabwärts von Treysa) eingesetzt, Ziel war, in drei Tagen bei Mittelwasser über die Eder und die Fulda nach Kassel zu fahren.

Hinter einem Wehr

Hinter einem Wehr

Unsere erste Etappe führt uns bis Gombeth. Wir hatten vorher Kontakt zu Kanuclub in Gombeth aufgenommen, auf dessen Gelände wir nun übernachten dürfen, aber auch der Waldzeltplatz in Zwesten macht einen guten Eindruck. Die Strecke hat es in sich. Enge Stromführung, ein z.T. guter Zug und viele, sehr viele Baumhindernisse, ein paar Wehre. Aber viel Natur: Grünzeug  im Gesicht, Weberknechte im Boot, Galeriewälder, Weidendickichte mit engen Durchfahrten, eine Ringelnatter im Fluss, Bisamratten, Greifvögel, Entenfamilien,  Amazonasfeeling!

Zu Flach - alle raus und kalte Füße holen.

Zu Flach – alle raus und kalte Füße holen.

Die vielen Hindernisse fordern alle. Wie kommen wir da rüber? Umtragen? Drüberwuchten? Schnelles Reagieren. Balancieren auf Bäumen. Und immer Sicherheit vermitteln. Entscheiden. Kinder miteinbeziehen und trotzdem das Steuer in der Hand behalten. Spannung!!! Echtes Abenteuer mit einem kalkulierbaren Risiko für die, die ihr Boot beherrschen und wissen, was sie in kniffligen Situationen tun und wie sie Kinder ruhig, aber bestimmt anleiten können. Ansonsten kann es unerwartet nass werden. Schwimm- und Rettungswesten am Körper (nicht als Sitzkissen) sind natürlich obligatorisch für alle! Und Vorsicht, die Hindernisse können bei Hochwasser zu lebensgefährlichen Fallen werden!

Kuhwatching

Kuhwatching

Besondere Vorsicht im Frühjahr gilt den Schwänen. Wir wurden zweimal massiv bedroht, raus aus dem Boot, alle, und zwar geregelt. Auch durch Dickicht und Brennnesseln. Schwäne können Angst machen und eine reelle Gefahr darstellen. Eine – unter Umständen – echte Krisensituation, besonders für Kinder. Also, liebe Eltern, sorgt für emotionale Sicherheit und vorausschauendes Fahren, lieber vorher raus aus dem Fluss und umtragen. Wir haben uns an einer Stelle dafür entschieden, ca. 1,5 Kilometer umzutragen, da der Schwan uns im Fluss folgte und uns nach 500 Metern immer noch nicht hineinließ. Das nahe Wehr haben wir dann gleich über Kuhweiden und durch ein Dorf mit Bootswagen bewältigt. So kritisch die Situation war, die Geschichten darüber und wie der Papa zum Cowboy wurde, erzählen wir uns heute noch: der Stoff, aus dem Abenteuergeschichten sind.

Tipicamp-nicht nur fuer Indianerfans

Tipicamp-nicht nur fuer Indianerfans

Bevor wir über eine herrliche Schwallstrecke in die Eder hineinrauschen, passieren wir eine renaturierte Strecke der Schwalm mit verschiedenen Wasserarmen und teilweise gutem Gefälle. Die Eder ist dann ein entspannter Fluss. Einfach mal treiben lassen und sich auf die Tipis im Tipicamp in Altenbrunslar freuen. Achtung, das Anlanden ist etwas schwierig. Am besten vorher mit dem Camp Kontakt aufnehmen und sich das Anlanden beschreiben lassen. Im Camp eine tolle Atmosphäre: große Wiesenflächen (Sportplatz), ein Trampolin, Bier, Limo, Kuchen, Kaffee, Bratwurst aus dem Bauwagen und alles ist paletti. Vor Wind und Schauerwetter schützt ein großes Gemeinschaftstipi mit Sitzgelegenheiten.

Treideln am Wehr

Treideln am Wehr

Auf der letzten Etappe kann man die Gedanken schweifen lassen, ab und an ein Wehr, das umtragen werden muss. Manchmal ein paar Schwäne, diesmal aber von der harmlosen Sorte. Und dann rückt Kassel näher. Nett, das Wehr an der Neuen Mühle mit einem Bootswagen auf Schienen zu umfahren: alle ein- bzw. aufsteigen, bitte! Und irgendwie neu eine „Groß“-stadt vom Kanu zu erleben, leider mit nur noch wenig Strömung. Von Kassel gibt es prima Möglichkeiten mit dem Zug wieder nach Treysa zu kommen, um das Auto nachzuholen. Alle sind schlagkaputt, aber glücklich, so wie es sich nach einem richtigen  Abenteuer gehört.

Tipicamp

Tipicamp

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