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Interview mit Christa von „Fels und Wald“ über Klettern, Camping und Outdoor mit Kindern

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Kinder und Abenteuerurlaub müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, dass wissen wir ja bereits. Eine Familie, die beides wunderbar miteinander verbinden kann, habe ich heute in meinem Interview zu Gast. Christa von felsundwald erzählt uns von ihren Abenteuerreisen und einem ganz spannenden Hobby, das auch mit Kindern gut vereinbar ist.

Hallo Christa! Du hast vor kurzem den Blog felsundwald ins Leben gerufen. Kannst du uns kurz erklären welche Themen du in diesem Blog behandelst und was der Leser bei dir an Informationen finden kann?

Ja, gerne. In dem Blog geht es primär um Campingausrüstung und um das Klettern.

Als Familie hatten wir oft das Problem, langlebige und gute Produkte aus dem Bereich Wohnmobil und Camping zu finden. Auch war es nicht immer einfach, Klettergebiete zu finden, die für Kinder und gute Hobbykletterer geeignet waren. Als Tim noch sehr klein war, war es für uns oft schwierig aus den Wegbeschreibungen zu lesen, ob der Zustieg zum Felsen mit einem kleinen Kind überhaupt machbar ist und ob das Kind am Wandfuß sicher spielen kann. Wir wollten ihn ja nicht wie einen Hund festbinden müssen.

Im Laufe der Zeit erfuhren wir von einigen Familien, dass es ihnen genauso geht wie uns. Diese Punkte haben mich dazu bewegt, den Blog ins Leben zu rufen und diese Themen aufzugreifen. 

Kinder im Klettergebiet 3 Spanien

Kinder im Klettergebiet 3 Spanien

Klettern ist ja deine (bzw. eure) große Leidenschaft. Wie kamst du zu diesem Hobby und was macht seine Faszination aus?

Ich persönlich kam durch Zufall zum Klettern. Bei einem Treffen mit alten Freundinnen haben wir beschlossen, einen Schnupperkurs in einer Kletterhalle zu machen. Meine Freundinnen verfolgten den Sport nicht weiter, aber ich fing sofort Feuer. Seitdem ist es das schönste Hobby, das ich mir vorstellen kann.

Klettern fordert den ganzen Körper und stärkt den Geist und das ohne, dass man anfangs besonders sportlich oder stark sein muss. Man benutzt weitaus mehr Muskelgruppen, als in den meisten anderen Sportarten und stellt sich bewusst seinen natürlichen Ängsten und überwindet diese. Klettern kann Jeder – vom Kind bis zum Rentner! Man kann mit anderen ganz unabhängig von ihren Kletterfähigkeiten einen tollen Tag am Felsen oder in der Halle verbringen. Außerdem bringt uns der Sport in die Natur und in Gebiete, die wir sonst wohl nie gefunden oder besucht hätten. Und nicht zuletzt ist die weltweite Kletter-Community eine tolle Gemeinschaft, in der man schnell aufgenommen wird und Freunde findet.

Klettern ist ja nicht gleich klettern. Da gibt es sicher große Unterschiede. Welche Art zu Klettern betreibt ihr auf euren Reisen, und vor allem welche Art des Kletterns ist mit Kindern gut vereinbar?

Das stimmt, es gibt viele Arten des Kletterns. Manche benötigen mehr Material und mehr Know-How als andere. Meist sind Sportkletterrouten unser Ziel. Das sind in der Regel gut abgesicherte und mit Bohrhaken versehene Routen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Sie sind meist zwischen 15 und 30 Meter hoch. Am Ende der Route angekommen, wird das Seil umgelenkt und man wird vom Sichernden wieder zu Boden gelassen oder seilt sich selbst wieder ab. Da wir drei Erwachsene sind, kann immer ein Erwachsener ein Auge auf die Kinder haben oder selbst eines der Kinder sichern, während einer sichert und einer klettert. Das ist perfekt. Außerdem sind in einem Sportklettergebiet meist sowohl Anfängerrouten als auch Routen für Fortgeschrittene. So kommen sowohl die Kinder als auch wir Erwachsene voll auf unsere Kosten und alle sind gemäß unserem Können am Ende des Klettertages gleichermaßen ausgelastet.

Ab und zu klettern wir aber auch gut abgesicherte Mehrseillängenrouten. Diese Art des Kletterns dauert oft mehrere Stunden und man befindet sich in einer weitaus höheren Wand, die nicht selten mehrere hundert Meter hoch ist. Dann kommt man so schnell nicht wieder zum Boden. Deshalb bleibt meist ein Erwachsener bei den Kindern und zwei Erwachsene gehen zusammen klettern. Dann wird täglich die Gruppe durchgetauscht. Wichtig ist uns immer, dass die Routen gut abgesichert sind. 

Kinder beim Klettern 4 - Teneriffa

Kinder beim Klettern 4 – Teneriffa

Für Kinder ist Klettern sicherlich ein großes Abenteuer, aber auch keine leichte Sportart. Was sollte man als Anfänger beachten, wenn man mit seinen Kindern dieses Hobby für sich entdeckt hat? Was ist ganz wichtig, wenn man mit Kindern klettert?

Auch wenn Klettern aufgrund des Nervenkitzels durch die Höhe ein kleines Abenteuer ist, so ist die Sportart nicht per se schwer oder gefährlich. Wichtig ist, wie bei vielen anderen Sportarten, dass man eine solide Ausbildung bekommt. Beachtet man alle Sicherheitsaspekte ist das Sportklettern durchaus ein sicherer Sport. Man sollte auf jeden Fall einen ordentlichen Kletterkurs besuchen und dort unter Aufsicht das Sichern erlernen. Auch eine kleine Knotenkunde und Materialkunde gehört in meinen Augen mit zu dieser Ausbildung. Lernen kann man das heute entweder in einem Kurs in einer Kletterhalle, einer Kletterschule oder von sehr erfahrenen und sicherheitsbewussten Kletterern.

Normalerweise fängt man an, Toprope zu klettern. Das heißt, dass ein Seil bereits in der Wand hängt, am Ende der Route umgelenkt wird und wieder zum Boden führt. So kann man sich anfangs rein auf die Bewegungsabläufe konzentrieren und an die Höhe gewöhnen. Am Fels ist es für Kletterer, Sicherer und für alle anderen wichtig, einen Helm zu tragen. Es kann schließlich immer mal vorkommen, dass kleine Steine losgetreten werden. 

Höhlenwanderung auf eigene Faust

Höhlenwanderung auf eigene Faust

Wo siehst du die Grenzen beim Klettern mit Kindern? Was kann man Kindern in welchem Alter zumuten, oder besser ausgedrückt zutrauen?

Oh, das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, das kommt ganz auf das Kind an. Man sollte Kinder niemals zum Klettern drängen und wenn sie plötzlich keine Lust mehr haben, dann ist das so. Manche sind schon in sehr jungen Jahren sehr sportlich unterwegs, bei anderen kommt das erst später. Kinder haben ein viel besseres Kraft-Gewichts-Verhältnis als Erwachsene und machen deshalb oft schnelle Fortschritte. Tim hatte seine ersten kleinen Wanderfahrungen mit zwei Jahren gemacht. Natürlich nur in sehr geringem Maß. Seine ersten Routen in der Halle ist er dann schon mit drei komplett hochgeklettert. Das ist aber schon sehr früh. Ab fünf Jahren sollte aber Klettern für Kinder generell gut machbar sein. Dann können die Kinder natürlich noch nicht sichern oder ihren eigenen Knoten binden und kontrollieren. Als Erwachsener steht man dann in der Verantwortung, alles doppelt zu prüfen und ihnen geduldig wieder und wieder alles erklären. Solange die Kinder noch recht klein sind, sollten sie einen Gurt tragen, der auch ihren Oberkörper aufrecht hält, wenn sie wieder zu Boden gelassen werden. Ab etwa sieben Jahren haben sie in der Regel genug Kraft im Oberkörper, dass ein Hüftgurt ausreicht.

Wie ich in eurem Blog lesen konnte, habt ihr ja schon verschiedene Kletterreviere in Europa und sogar Asien getestet. Wo hat es euch am besten gefallen, bzw. welches Klettergebiet könnt ihr gerade für Familien mit Kindern empfehlen und warum?

Als erstes fiel mir das Green Climbers Home in Laos ein. Da passt eigentlich alles, denn das Klettergebiet fängt quasi direkt hinter den Bungalows an und man ist nie weit weg von den Unterkünften. Außerdem ist dort alles, von den steilen Karstfelsen abgesehen, sehr eben. So gibt es für die Kinder am Boden keine Absturz- oder Abrutschgefahr. Es gibt dort im Winter keine Malaria, das Essen schmeckt super und die Menschen dort sind die herzlichsten Menschen, die man sich wünschen kann. Für uns steht dieses Gebiet an erster Stelle, denn es schafft den Spagat zwischen Abenteuer und Sicherheit. Nachteilig ist aber die Anreise. Es gibt keine Flüge direkt nach Laos. Man muss in Bangkok landen, dort zum nationalen Flughafen fahren, einen Inlandsflug nehmen und von Nordthailand mit dem Bus oder Taxi über den Mekong nach Thakhek fahren. Das kann mit Kindern schon eine beschwerliche Reise sein. Unsere Kinder sind zum Glück sehr reiseerfahren und pflegeleicht. 

Kinder finden überall Freunde 2 - Laos

Kinder finden überall Freunde 2 – Laos

Aber auch in Europa und in Deutschland gibt es tolle Ziele. Da fallen mir sofort die fränkische Schweiz und die Vogesen ein, wo wir gerne mal übers Wochenende hinfahren. Auch die Kanareninsel Teneriffa bietet tolle und sichere Kletterfelsen. Abenteuerbegeisterte, die auch gerne Gebirgswanderungen und Radtouren unternehmen, finden in den cottischen Alpen bei Brianҫon ein tolles Sommergebiet. Generell gibt es unzählige schöne Gebiete. Wer auf unserer Seite schaut, findet sicher ein paar gute Anregungen. 

Wenn ihr kletternd unterwegs seid, habt ihr sicherlich eure komplette Ausrüstung dabei. Reisende, die im Urlaubsland nur mal so das Klettern testen wollen, sind auf Leihausrüstung vor Ort angewiesen. Was hältst du grundsätzlich davon, und wie erkenne ich einen guten Kletterausrüstungsanbieter im Urlaubsland?

Kletterschulen, die Schnupperkurse anbieten, haben in der Regel genügend Leihausrüstung vor Ort, die man günstig leihen kann. Als Neuling sollte man schauen, dass das Material nicht allzu alt aussieht und die Gurte und das Seil nicht spröde oder verletzt sind und dass alles ordentlich verstaut wird. Auch sollte man vor dem Klettern immer eine kurze Einweisung über die Sicherheitsaspekte erhalten. Leider ist es in vielen Gebieten am Meer oft so, dass die Bohrhaken und Umlenker mit der Zeit rostig werden. Vor dem Klettern sollte man das ohne Scham ansprechen und auch nach einer Redundanz (beispielsweise einem zweitem Bohrhaken am Umlenker) fragen. Es ist schon passiert, dass an nur einem Haken das Seil umgelenkt wurde, und dieser aufgrund von Korrosion gebrochen ist. Sowas darf in einer guten Kletterschule nicht passieren. Generell muss man bei der Schule ein gutes Gefühl haben. Man vertraut ihnen schließlich sein Leben an. Besser ist es aber, zuhause in Deutschland einen guten Kurs zu besuchen und die Grundkenntnisse zu erlangen, um auch im Ausland sicher sein zu können. Da steht dann nicht noch die eventuelle sprachliche Barriere zwischen der Kletterschule und dem Kletterer. 

Klettern mit Kindern - Kalymnos

Klettern mit Kindern – Kalymnos

Camping ist das zweite große Thema auf deinem Blog. Als erfahrener Camper hat es dich geärgert, dass du in der Vergangenheit des Öfteren aufgrund nicht authentischer Produkttests dir ein Produkt gekauft hast, mit dem du im Nachhinein nicht zufrieden warst. Das hat dich dazu gebracht, selbst Camping- und Outdoorprodukte unter realen Bedingungen zu testen. Wie sehen deine Tests aus und was unterscheidet sie von den Produkttestern der Herstellerfirmen?

Wir testen aus der Sicht eines Verbrauchers, denn das sind wir schließlich. Das heißt, die Produkte werden benutzt. Nicht nur einmal und nicht nur unter Laborbedingungen, sondern immer dann, wenn wir unterwegs sind. Dabei bewerte ich sowohl den Installationsaufwand als auch die Erfahrungen auf Zeit. Auffahrkeile liegen bei uns auch mal auf Schotter mit größeren Kieseln, nicht nur in der ebenen, weichen und nachgiebigen Wiese. Gehen sie davon kaputt? Die Toilette wird auf Reisen im Wohnmobil benutzt. Täglich. Über Wochen. Riecht sie? Lässt sie sich gut reinigen? Ich schreibe über Dinge, die mir positiv oder negativ auffallen. Aber ich gebe auch mal Tipps. Wir haben uns beispielsweise einen im Verhältnis kostengünstigen Wasserfilter gebaut, um länger Autark unterwegs sein zu können. Jetzt brauchen wir nur irgendein Gewässer, um Trinkwasser herzustellen. Mit meiner Variante kann man gegenüber dem fertigen Produkt bis zu 600 € sparen und hat am Ende das gleiche Ergebnis.

Veröffentlichst du dann auch Produkttests von Outdoorartikeln mit denen du nicht zufrieden warst, um deinen Lesern einen Fehlkauf zu ersparen?

Ja, da fällt mir sofort mein Test zu den Auffahrkeilen ein. Wir hatten ein paar Keile, die sofort beim ersten Benutzen kaputt gingen. Das steht dann natürlich auch im Testbericht. Aber auch wenn uns ein Produkt gut gefällt, jedoch ein Aspekt negativ auffällt, dann steht das ebenfalls im Bericht. Da wir aber weder unter Laborbedingungen testen noch mutwillig Dinge zerstören wollen, bleibt jedem Bericht eine subjektive Note haften. Dies macht das Ganze aber authentisch und realistisch. 

Himmel, ich bin ja schon wieder bei der letzten Frage! Abenteuerreisen, Klettern, Camping und Outdoor sind ja nicht die klassische Art mit Kindern unterwegs zu sein. Für euch jedoch ist das eine Selbstverständlichkeit. Wie sieht das euer Umfeld, eure Freunde und Verwandte? Haben sie jemals versucht euch davon abzuhalten, als die Kinder vielleicht noch ein wenig kleiner waren, oder gehen sie ganz entspannt damit um?

Tatsächlich haben wir schon öfter Kopfschütteln und mahnende Worte geerntet. Es ist eben nicht ganz normal, ein zweijähriges Kind an einem Seil eine 30-Meter Felswand herunter abzuseilen oder mit Kindern eine dunkle Höhle zu erkunden. Auch ist es nicht normal, im Bärengebiet zu campen und viele sehen da große Gefahren. Aber Gefahren sind wir täglich ausgesetzt. Jede Autofahrt ist eine Gefahr, wenn man bedenkt, wie viele Unfälle allein in Deutschland täglich passieren. Es ist wichtig, sich der Gefahren bewusst zu sein und zu wissen, wie man diese auf ein tragbares Minimum reduzieren kann. Nur, weil uns etwas fremd ist, ist es nicht unbedingt gefährlicher als Dinge, die wir täglich in Kauf nehmen. Und was wir durch unsere Aktivitäten an Erinnerungen und Erfahrungen erhalten, ist unersetzlich. 

Unsere Familie in Laos

Unsere Familie in Laos

Schöne abschließende Worte, denen ich mich nur anschließen kann. Vielen Dank, liebe Christa, für das lehrreiche und interessante Interview, das mir das Thema Klettern ein bisschen näher gebracht hat. Vielleicht fange ich ja irgendwann auch noch damit an. Wer weiß!

Nein, ich danke dir, dass ich dabei sein durfte. Es hat mir großen Spaß gemacht.

 

Familien-Steckbrief:

„Wir, das sind Eric, Claudia, Christa, Ronja und Tim.

Das Klettern und das Reisen sind unsere großen Hobbys. In dieser Kombination führen sie uns nicht nur quer durch Deutschland, sondern mehr oder weniger rund um den Globus – immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen und kleinen Abenteuern.

Diese Abenteuer unserer Kletter- und Rundreisen möchten wir nicht nur für uns behalten, sondern auch mit allen teilen, die sich dafür interessieren. Dafür haben wir viele Reiseberichte und Bildergalerien auf unserer Seite und im Bereich Aktuelles gibt es immer wieder neue Infos.

Wir verbringen viel Zeit im Wohnmobil, am Fels und im Wald. Wir leben unkonventionell, aktiv und sind immer unterwegs, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Was uns standhält muss von guter Qualität sein, denn die Anforderungen sind hoch.

Wir möchten die kindliche Abenteuerlust in unseren Lesern wecken und ihr Feingefühl für unsere Natur und die Menschen wieder herstellen. Aber Achtung: das Reisefieber macht sich früh bemerkbar durch Fernweh und Abenteuerlust und es ist hoch ansteckend – also Vorsicht beim Mitlesen, sonst trifft man sich vielleicht schneller am anderen Ende der Welt, als man denkt.“

Christa

www.felsundwald.de                    www.auf-achse-sein.de

Alle Bilder dieses Interviews unterliegen dem Copyright von Familie Schambach/Jöckel.

Wir freuen uns immer über Kommentare zu unseren Interviews! 

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