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Die letzten Tagen auf den Alandinseln

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Sonntagmorgen auf den Alandinseln

Sonntagmorgen auf den Alandinseln

Heute Morgen wurde ich von einem gut riechenden, kleinen Gespenst geweckt. Unsere Tochter, die ausnahmsweise als erste wach war, hat sich klammheimlich unsere Niveatube unter den Nagel gerissen, die mein Mann gestern Abend achtlos im Zelt liegengelassen hat. In aller Seelenruhe sitzt sie nun da und cremt sich damit kräftig das Gesicht ein. Das einzige, was sie bei dieser hingebungsvollen Gesichtskosmetik ausspart sind ihre großen Augen, die nun wie blaue Diamanten – jedoch keineswegs schuldbewusst – aus dem Weiß hervorblitzen.  Ich kann mir ein Lachen nicht verbeißen, während ich das Desaster ohne weitere Worte beseitige.

Heute wird unsere kleine Karawane weiterziehen. Das Wetter ist immer noch erstaunlich für diesen Breitengrad. Schon am Morgen spüren wir deutlich, dass es wieder ein sehr heißer Tag werden wird. Ob das meine Tochter wohl insgeheim wusste? Warum haben wir nicht die Sonnencreme im Zelt liegengelassen, dann müssten wir die kleine Übeltäterin zumindest im Gesicht jetzt nicht mehr eincremen. Wir versuchen recht früh den Campingplatz zu verlassen, damit wir um die heiße Mittagszeit eine längere Rast einlegen können. Die ersten zwei Stunden fahren wir bei noch angenehmen Temperaturen auf der autofreien Hauptstraße Richtung Kastelholm. Heute ist Sonntag, und keine Menschenseele unterwegs. Uns begleiten nur das Rauschen des Windes im Schilf der Moore, an denen wir vorüberziehen und das muntere Zwitschern der Vögel, die sicherlich ebensolche Freude an diesem traumhaften Wetter haben wie wir.

Das Freilichtmuseum Jan Karlsgarden

Freilichtmuseum Jan Karlsgarden

Freilichtmuseum Jan Karlsgarden

In der Nähe des Schlosses »Kastelholm« besuchen wir das Freilichtmuseum »Jan Karlsgarden«. Es zeigt das Leben auf den Ålandinseln, wie es vor etwa hundert Jahren war. Ein kleines Dorf in Originalgröße mit putzigen Häuschen, Ställen, Unterkünften der Mägde und Knechte, Geräteschuppen, Vorratskammern und Plumpsklo, alles liebevoll hergerichtet, erwartet hier den Besucher. Wieder entdecken wir Parallelen zu Michel aus Lönneberga. Wir machen eine lange Mittagsrast und lassen unsere Kinder auf dem Gelände herumtoben. Als wir nach fast zwei Stunden weiterziehen, schlafen unsere beiden Mäuse sofort ein. So muss mein Mann wieder einmal alleine dafür sorgen, dass das Gespann sich fortbewegt. Dies wird für ihn bei dieser Hitze und zunehmend welligem Straßenverlauf immer beschwerlicher. Eigentlich sind keine wirklichen Steigungen zu überwinden, jedoch sind die Straßen im Norden der Ålandinseln nicht mehr brettflach, sondern eben leicht wellig. Gegen Nachmittag, als die Kinder wach werden, legen wir noch eine kleine „Eispause“ ein. Am Kiosk entdecken wir ein Thermometer. Als ich einen verstohlenen Blick darauf werfe, trifft mich fast der Schlag. Stolze 34° Celsius zeigte es an. Das sind für diese Region sicherlich Rekordwerte. Kein Wunder, dass wir Erwachsenen nach nur vierzig Kilometern vollkommen platt sind.

Eindeutig zweideutige Hinweisschilder auf den Ålandinseln

"Vielsagende" Hinweisschilder

„Vielsagende“ Hinweisschilder

Im nördlichen Teil der Insel Eckerö schlagen wir heute unser Nachtlager auf. Hier im westlichen Teil der Ålandinseln ist die Dichte der Campingplätze und Feriendörfer am größten. Viele Plätze vermieten auch Blockhütten und zeigen dies mit großen Hinweisschildern an den Straßen. Die Campingplätze bzw. Feriendörfer haben alle ganz eigentümliche Namen, die oft auf »Vik« enden. Als wir an einem ganz besonders „vielsagenden“ Hinweisschild vorbeifahren, falle ich vor Lachen fast vom Fahrrad. Okay. Über die Schreibweise kann man sich streiten. Aber wenn man über zwei Monate zusammen mit zwei Kleinkindern in einem Zelt schläft und plötzlich an einer Unterkunft vorbeikommt, die Blockhütten anbietet und auch noch »Notviken« heißt, ganz ehrlich, da entwickelt man schon eine gewisse Assoziation.

Da wir es jedoch nicht so nötig haben, verzichten wir auf eine feste Unterkunft und finden wieder einen wundervollen Campingplatz, der für kleine Kinder wie geschaffen ist. Ich muss schon sagen, dass die schönsten Campingplätze unserer Skandinavienreise bisher auf den Ålandinseln waren.

Aus diesem und natürlich näherliegenden Gründen – wie zum Beispiel das Meer vor dem Zelt – legen  wir deshalb noch einen Ruhetag ein, bevor wir am vierzehnten Tag und nach gerade einmal dreihundert gefahrenen Kilometern unsere Radtour auf den Ålandinseln beenden. Er war wahrlich keine herausragende sportliche Leistung, die wir in dieser Zeit vollbracht haben. Dafür war es aber Genussradeln pur, mit viel Ruhe und Entspannung für die Eltern und unbeschwertes Kindsein für …. alle.

Letzter Abend auf den Alandinseln

Letzter Abend auf den Alandinseln

 

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