Reise-Kids

Mit Kindern die Welt entdecken

Die Inseln Langeland, Lolland und Falster

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Der vierte Reisetag beginnt mit herrlichem Sonnenschein. Bei diesem Wetter radelt es sich nochmal so schön, auch wenn uns heute eine leichte Ostseebrise entgegenschlägt. Bis zu unserer nächsten Fähre nach Mastral sind es gerade einmal fünfzehn Kilometer, die recht schnell zurückgelegt sind.

Am Fährhafen in Mastral angekommen, stellen wir enttäuscht fest, dass wir schon wieder zehn Minuten zu spät sind und die Fähre verpasst haben. Während der zweistündigen Wartezeit nutzen wir die Gelegenheit, uns das hübsche Fischerdorf Mastral ein wenig näher anzusehen. Wir kaufen fürs Mittag- und Abendessen ein und nehmen ersteres gleich auf dem Friedhof hinter der Kirche ein. Dieser ist zum Glück eingezäunt (da kann Paul unbeschwert herumspringen) und es gibt viele große Bäume, die vor Regen schützen, denn danach sieht es im Moment leider aus.

Der Ostseeküstenradweg - immer nah am Meer

Der Ostseeküstenradweg – immer nah am Meer

Die Fähre von Mastral nach Rudkøbing auf der Insel Langeland ist riesig. An Bord gibt es jeglichen Komfort, sogar einen Spielraum für Kinder. Als Paul diesen entdeckt, ist er nicht mehr an Deck zu kriegen. Keine zehn Pferde bringen ihn aus dem schönen Legohaus heraus. So müssen wir uns die Landschaft unter Deck, aus einem der riesigen Fenster am Bug des Schiffes, ansehen. Die Überfahrt dauert nur fünfzehn Minuten, womit wir schon das nächste Problem haben. Wie locken wir unser Kind aus seinem Haus heraus. Wie erwartet lässt Paul sich seine Legoburg nur unter Protest wegnehmen. Mit einem herzzerreißend schreienden Kind ″unterm Arm″ und unter vielen mitfühlenden Blicken anderer Reisender verlassen wir die Fähre.

Die Stadt Rudkøbing ist die Hauptstadt der Insel Langeland. Anfangs haben wir ein wenig Mühe den Ostseeküstenradweg zu finden, auch wenn (oder gerade weil)  der Radweg sehr gut ausgeschildert ist. Wir haben beschlossen auf der Insel Langeland nicht auf dem Ostseeküstenradweg weiterzufahren, sondern die Insel einfach zu durchqueren, sodass wir morgen schon auf die Insel Lolland übersetzen können. Auf der direkten Strecke zwischen Rudkøbing und Spodsbjerg gibt es keinen Radweg, aber eine gering befahrene Nebenstraße. Bis Spodsbjerg sind es nur zehn Kilometer, die wir relativ schnell zurückgelegt haben. Es gibt kurz vor und direkt in Spodsbjerg einen Campingplatz. Wir fahren nach Spodsbjerg hinein und beziehen den Campingplatz in der Nähe des Fährhafens. Morgen werden wir die Fähre ganz bestimmt nicht verpassen. Ach ja. Paul hat, nachdem er wieder im Anhänger saß, eingesehen, dass schlafen eindeutig erholsamer ist, und zwar für alle.

Anmerkung von Paul: Eltern können sooo grausam sein. Die Menschenrechte eines erwachsenen Kleinkindes  werden hier eindeutig verletzt, wenn man ihnen elementare Grundrechte, wie das Spielen, vorenthält. Ich werde mich nach dieser Reise an »Amnesty International« wenden, aber jetzt möchte ich mich erst einmal genüsslich sanitär entspannen. Mal sehen, wie ihnen das gefällt, wenn sie heute Nachmittag meine Windel wechseln.

Die Insel Lolland erwartet uns mit Ostseeküstenwetter

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Auf der Insel Lolland

Am nächsten Morgen verpassen wir die Fähre nach Tårs nicht, die gegen 9.15 Uhr startet. Am anderen Ufer auf der Insel Lolland angekommen, stellen wir mit Freuden fest, dass wir herrlichsten Rückenwind haben. Dieser beflügelt uns regelrecht, sodass wir schon gegen Mittag unser heutiges Ziel erreicht haben. Trotz Rückenwind stecken uns die heute gefahrenen vierzig Kilometer in den Knochen. Wir legen eine lange, ausgiebige Mittagspause ein und beraten den weiteren Verlauf des Tages. Trotz einiger Bedenken beschließen wir bis Nykøbing zu fahren. Auf dem Weg dorthin gibt es noch einige Campingplätze, die wir ansteuern können, falls uns die Puste ausgeht.

Wir verlassen die Ortschaft Maribo auf dem Ostseeküstenradweg. Der Wind hat leider gedreht und dicke, schwere Wolken ziehen übers Land. Hier und da nehmen wir einige Abkürzungen, da uns langsam die Kräfte schwinden. Wir erreichen unser Ziel »Nykøbing« nach achtzig Kilometern am späten Nachmittag. Paul hat jetzt überhaupt keine Lust mehr im Anhänger zu sitzen und quengelt vor sich hin. Wir „überfallen“ den nächsten Supermarkt und suchen den Campingplatz, der weit außerhalb der Stadt liegt. Der Platz kann mit einer riesengroßen Wiese aufwarten, auf der nur eine Hand voll Zelte und Caravans stehen. Unser Kind hat großen Spaß an seiner neugewonnenen Freiheit und erkundet mit Begeisterung die Umgebung. Am Abend wird es sehr kalt. Wir packen Paul heute besonders warm ein.

Anmerkung von Paul: Dieser Ausflug wird langsam langweilig. Heute habe ich weiter nichts gesehen, als das Hinterteil meines Papas. Nicht, dass das nicht ansehnlich wäre, dennoch sitze ich lieber mit Blick nach hinten. Da sehe ich meine wunderschöne Mama, die herrliche Grimassen schneidet.

Die Insel Falster und ihre herrlichen Badestrände

Die letzte Nacht war bitterkalt und am Morgen sieht das Wetter genauso trübe aus wie gestern. Wir starten südlich der Stadt und kürzen über die Hauptstraße bis Væggerløsi ab. Dort stoßen wir wieder auf den Ostseeküstenradweg, der ab dem Küsten- und Touristenort Marielyst bis nach Stubbekøbing meist an der Küste entlang führt. Auf der gesamten Strecke fährt man größtenteils auf unbefestigten Schotter- oder Waldwegen, was viel Kraft kostet.

Nicht nur der äußerst beliebte Badeort Marielyst bietet an der Ostküste von Falster einen herrlichen Badestrand. Auf dieser Strecke findet man immer wieder schöne und einsame Badestrände, die zum Verweilen einladen. Wir lassen es uns natürlich nicht nehmen, unsere Mittagspause am Strand zu verbringen. Paul zeigt wieder einmal großes Interesse am Meer. Begeistert stürzt er sich in die Fluten, und wir haben alle Hände voll zu tun, dass er uns nicht ertrinkt. Von wegen, so eine Mittagspause ist zur Erholung da!

Der kräftige Wind von gestern hat etwas nachgelassen, doch da wir die Fahrtrichtung wechseln mussten, haben wir ihn heute leider von der Seite. Gegen 15 Uhr und nach knapp fünfzig Kilometern erreichen wir unser heutiges Ziel Stubbekøbing. Die nette Kleinstadt ist der älteste Ort der Insel Falster. Früher hatte die Fischereistadt eine größere Bedeutung, die sie mit den Brückenbauten nach Sjælland verlor. Von Stubbekøbing aus hat man die Möglichkeit über die Brücken direkt nach Vordingborg zu fahren, und so die Strecke des Ostseeküstenradwegs erheblich abzukürzen. Damit sieht man jedoch nicht den (nach meiner Meinung) schönsten Teil des Ostseeküstenradwegs, nämlich die Insel Møn.

 Wir könnten heute noch ohne Probleme nach Bogø übersetzen und auf die Insel Møn fahren. Doch der Tag war so schön,  dass wir es für heute dabei belassen und den restlichen Nachmittag einfach nur genießen. Im westlichen Teil der Stadt gibt es einen recht schönen Campingplatz. Von ihm aus hat man einen herrlichen Blick auf die Farøbrücke.

Anmerkung von Paul: An diesen Trip könnte ich mich doch noch gewöhnen. Auf dem Campingplatz habe ich heute Freundschaft mit einem Holländer geschlossen. Diese Holländer sind wirklich sehr nett, das könnt ihr mir glauben. Ich habe mit all´ seinen Sachen gespielt. Ob er mir diese allerdings freiwillig gegeben hat, weiß ich nicht mehr.

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