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Die Insel Møn und die Klippen von Møn (Møns Klint)

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Am siebten Reisetag werden wir von wärmenden Sonnenstrahlen geweckt. Schnell wird es uns in den molligen Schlafsäcken zu warm, weshalb wir rasch den Weg nach draußen suchen. Die Luft ist noch erfrischend nordisch, aber ein Blick in den Himmel verrät, dass es ein heißer Tag werden wird.

Mittagsrast für Klein und Groß

Mittagsrast für Klein und Groß

Wir trödeln fast den ganzen Vormittag herum, sodass wir schon wieder einmal die Fähre verpassen. Die nächste legt auch nicht pünktlich ab. Um 11.15 Uhr erreichen wir dann endlich den schnuckeligen Hafen der kleinen Insel Bogø. Von hier aus fährt man über einen Damm zur Nachbarinsel Møn. Nicht nur das Wetter begeistert uns heute, auch die herrliche Landschaft, die sich uns darbietet. Eigentlich sieht die Insel Møn kaum anders aus, als viele andere dänische Inseln, doch uns gefällt sie (neben Ærø) besonders gut. Der Ostseeküstenradweg verläuft im Süden wie im Norden durch das Inselinnere. An der Kreuzung bei Lille Bissinge (dort trifft man direkt auf den See Stege Nor) muss man sich entscheiden, ob man die Süd- oder Nordroute einschlagen möchte. Möchte man die Kreidefelsen »Møns Klint« besuchen, ist die Südroute kürzer.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause direkt am See fahren wir auf der Südroute weiter. Die Strecke verläuft nicht an der Küste entlang, weshalb man das Meer und die angeblich schönen Strände im Süden der Insel Moen nicht sieht. Bei Bussemarke kann man den Fischerhafen Klintholm ansteuern, der äußerst sehenswert ist.

»Møns Klint« – der Tourismus lässt grüßen

Die Klippen von Mön

Die Klippen von Mön

Je näher man den Klippen von Møn kommt, desto hügeliger wird das Terrain. Hier an der Ostküste der Insel Møn sind die einzigen, nennenswerten Steigungen auf dem gesamten Ostseeküstenradweg. Schnaufend quälen wir uns die Hügel hinauf. Paul ist heute super gelaunt. Auch deshalb bleibt er fast eine Stunde wach in seinem Anhänger sitzen. Nach einer letzten Schiebepassage durch einen Wald haben wir endlich das Highlight der Insel erreicht. Möchte man die Klippen sehen, steht einem allerdings noch ein langer Fußmarsch bevor. Über 600 Stufen geht es hinab zum Fuß der Klippen. Man kann auch bergauf entlang des Waldes laufen, was aber auch einen mehr als dreißigminütigen Spaziergang bedeutet. Wir entscheiden uns für die Treppen. Eine Heerschar von Touristen folgt dem wohl angeborenen Herdentrieb. Bei einem solchen Anblick verliere ich schon wieder die Lust am Sightseeing.

Nachdem wir das Klippenbestaunen hinter uns gebracht haben, ziehen wir weiter zum nächsten Campingplatz, der in unmittelbarer Nähe zu finden ist. Die kurze Strecke von 2,5 Kilometern ist sehr anstrengend, da es ständig bergauf und bergab geht. Heute kommen wir zum ersten Mal recht spät am Ziel an. Gegen ist sechs Uhr abends stellen wir unser Zelt auf. Dann heißt es noch kochen, auf Paul aufpassen, essen, auf Paul aufpassen, spülen, auf Paul aufpassen, Paul baden, mit Paul noch ein wenig spielen, Paul ins „Bett“ bringen, selber duschen, und nach einem sehr schönen Tag noch ein wenig vor dem Zelt sitzen. Gute Nacht, Paul! Gute Nacht , Paul! Jetzt aber wirklich gute Nacht, Paul!

Anmerkung von Paul: Mittlerweile habe ich richtig Freude an dieser Reise. Der Tag war wirklich sehr schön gewesen. Nur das Baden heute Abend hätte nun wirklich nicht sein müssen. Dafür habe ich meine Mama vor dem Schlafengehen noch einmal kräftig gebissen. Hat sie nun davon!

Erholsame Ruhetage in Ulvshale

Unser heutiges Ziel heißt Ulvshale, eine Halbinsel ganz im Norden von Møn. Auf dieser schmalen Landzunge soll es einen schönen Badestrand geben. Die letzten Tage sind wir ohne Unterbrechung geradelt, sodass wir uns und Paul ein wenig Ruhe gönnen wollen, und dort einige Tage bleiben. Leider ist das Wetter heute Morgen nicht mehr so schön wie gestern. Es fallen auch vereinzelt Tropfen vom wolkenverhangenen Himmel. Doch nach und nach scheint sich die Sonne wieder durchzusetzen. Als wir gegen Mittag die Bucht von Ulvshale erreichen, scheint sie auch schon wieder. Nicht mehr als zwanzig Kilometer haben wir heute von einem zum nächsten Campingplatz zurückgelegt. Die Dichte der Campingplätze in Dänemark ist (zumindest auf dem Ostseeküstenradweg) sehr hoch. Dies macht das Reisen mit Kind in Dänemark so angenehm und stressfrei.

Nach dem Mittagessen erledige ich die unangenehme, aber äußerst wichtige, Aufgabe des Waschens. Wir sind jetzt seit einer Woche unterwegs und Paul hat schon einen großen Teil seiner Kleidung eingeschmutzt. Wenn es nach uns ginge, würden wir wahrscheinlich ohne waschen auskommen, aber mit Kind …. Zudem ist der Tag fürs Waschen wie geschaffen. Die Sonne brennt mittlerweile vom wolkenlosen Himmel, sodass die Sachen sehr schnell trocken werden. Wir verbringen den ganzen verbleibenden Tag am Strand. Es ist das erste Mal in diesem Urlaub, dass wir zu diesem Vergnügen kommen und genießen es alle sehr.

"Ruhetage" am Meer von Ulshave

„Ruhetage“ am Meer von Ulvshale

Das Wetter könnte für unsere Ruhetage nicht schöner sein. Paul genießt das Baden im Meer und den weitläufigen Strand sehr. Den ganzen Tag kann er spielen und toben. Wir freuen uns, dass er sich freut, und das macht alle glücklich. Der Campingplatz hat den Vorteil, dass er sehr weitläufig ist, direkt am Strand ist und etwas abseits der Touristenströme liegt. Zudem bekommt man als Reisender das Gefühl hier willkommen zu sein. Die Atmosphäre ist familiär und man hat den Eindruck, viele Gäste kennen sich untereinander. Dass es uns hier so gut gefällt, liegt maßgeblich auch an Peter. Diesen irren Typen haben wir schon bei unserer Ankunft kennengelernt. Es ist ja auch nicht möglich, ihn nicht kennenzulernen.  Anfangs dachte ich, der alte Mann wäre nicht ganz richtig im Kopf. Als ich jedoch merkte, dass er, na sagen wir mal, etwas stark dem Alkohol zugetan ist, tat er mir fast schon wieder leid. Fast den ganzen Tag sitzt er auf einer Bank am zentralen Platz des Campingplatzes und spricht jeden an der vorübergeht. Manche fühlen sich dadurch belästigt, andere finden es lustig. Wir finden es lustig. Wenn man sich auf seine durchaus charmanten Scherze einlässt und sich länger mit ihm unterhält, merkt man, dass er einfach nur nett und lieb ist. Schon bei unserer Ankunft hat er Paul seine Wäscheklammern zum Spielen überlassen und einen süßen Stoffhasen geschenkt. Peter möchte nicht alleine sein und versammelt gerne Menschen um sich. Seine Sprüche sind einfach, aber unvergleichlich. Wir kugeln uns vor Lachen, wenn er mit seinem Hamburger Dialekt sagt: „Wenn dein Brett vorm Kopf knarzt, geh zum Tischler, nicht zum Arzt!“

Diese drei Tage vergehen wie im Flug. Gerne würden wir noch bleiben, aber unser Urlaub ist leider zu kurz, um irgendwo länger zu verweilen. Es ärgert mich, immer wählen zu müssen zwischen unseren so geliebten Aktivreisen und einem Faulenzurlaub am Meer. Ich möchte gerne beides erleben, doch dazu fehlt einfach die Zeit. Rückblickend glaube ich, wurde hier die Idee zu unserer Langzeitreise geboren.

Anmerkung von Paul: Ich möchte ab jetzt nur noch ans Meer reisen. Das hat viele Vorteile: Man kann nach Herzenslust herumspringen ohne lästige Windel, Mama bleibt schlank, weil sie ständig aufpassen muss, dass ich nicht zu tief ins Wasser gehe und Papa ist endlich mal produktiv beim Sandburgenbauen. Leuchtet doch ein! Oder?

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