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Die Insel Fyn

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Am 14. Reisetag der Fahrradtour fahren wir ab Nyborg die Südroute des Ostseeküstenradweges. Das Radeln fällt uns heute, aus unerfindlichen Gründen, schwer. Aus meiner langjährigen Erfahrung als Radreisende, gibt es immer wieder Tage, an denen es einem an Energie mangelt. Meist sind das die Tage drei und vier nach einer Ruhephase, oder aber Tage nach einer sehr anstrengenden Etappe.

Der Wind ist uns heute ebenfalls keine große Hilfe, kommt er doch meist von der Seite oder von vorne. Die Strecke, die meist im Landesinneren verläuft, ist leicht hügelig. Am Vormittag regnet es noch ein wenig, doch um die Mittagszeit kommt wieder die Sonne hinter der dünnen Wolkendecke hervor. Für die Mittagspause suchen wir uns wieder eine Kirche (zu Dänisch: Kirke). Zu Beginn der Reise haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Kirchen und Friedhöfe hier sehr oft eingezäunt sind. Ideal für Reisende mit einem aufgeweckten Kleinkind. Nur müssen wir dann und wann aufpassen, dass Paul nicht die Blumen von den Gräbern klaut oder die Weihwasserbehältnisse leer trinkt.

Traumstraßen in Dänemark

Traumstraßen in Dänemark

Landschaftlich ist es hier auf der Insel Fyn schöner als auf Sjælland. Vor allem der Streckenabschnitt zwischen Lundeborg und Svendborg ist landschaftlich sehenswert. Auf der Insel Fyn fährt man wieder ausschließlich auf schwach befahrenen Nebenstraßen, Rad- und Waldwegen. Lange können wir uns nicht für einen der vielen Campingplätze auf der Strecke entscheiden und campen schließlich auf dem letzten Platz vor Svendborg. Dieser ist jedoch komisch. Man kommt sich vor wie auf einem Friedhof. Keine Kinder spielen und jeder verkriecht sich in seine Behausung.

 

Sturm und Regen auf der Insel Fyn

Am Morgen des 15. Reisetages regnet es wieder. Trotzdem fahren wir ins sechs Kilometer entfernte Svendborg. Dort angekommen fängt es schließlich richtig zu schütten an. Wir suchen Unterschlupf in einem Einkaufscenter. In einem kleinen Restaurant finden wir  eine Spielecke. Ein „Zufluchtsort“ für uns drei wie geschaffen. Wir trinken wieder einmal einen Kaffee nach dem anderen (Das ist eines der wenigen Dinge, die in Dänemark erschwinglich sind.) und Paul vergnügt sich beim Legospielen. Der Regen lässt heute jedoch nicht nach. Wir essen zu Mittag und warten und warten. Doch es ist keine Änderung in Sicht. Wir kaufen noch etwas Proviant ein und beschließen zum nächstgelegenen Campingplatz fahren. Dies erweist sich jedoch als großer Fehler. Zwar hat der Regen ein wenig nachgelassen, doch wird er während der Fahrt wieder stärker. Wir kämpfen uns durch Svendborg hindurch.  Der nächste Campingplatz bei Rantzausminde ist ein sehr einfacher Platz, der uns keine Möglichkeit bietet, unsere Sachen zu trocknen. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir unbedingt eine Möglichkeit benötigen uns trockenzulegen. Wir fahren weiter im Regen, womit wir den nächsten Fehler begehen. Sechs Kilometer weiter soll, laut unseres Reiseführers, der nächste Campingplatz liegen. Auf dieser kurzen Strecke werden wir von einem leichten Sturm mit wolkenbruchartigen Regenfällen heimgesucht. Hier an der Küste finden wir zudem keine Möglichkeit uns unterzustellen. Überall Wiesen und Felder, soweit das Auge reicht. Mühselig kämpfen wir uns im Sturm voran. Meine große Sorge gilt Paul, der friedlich in seinem Anhänger schläft. Hoffentlich bleibt er wenigsten trocken. Hinter der kleinen Siedlung »Ballen« steht der nächste Campingplatz ausgeschrieben. Doch welch ein Entsetzen, als wir sehen, dass dieser geschlossen ist. Nur wenige verwaiste Campingwagen stehen auf dem großen leeren Platz verstreut. Das Büro ist ebenfalls verschlossen. Zum ersten Mal seit Beginn dieser Reise bin ich den Tränen nahe. Während Paul, der gerade aufgewacht ist, und ich fröstelnd unter dem Vordach des Büros Schutz suchen, hechtet mein Mann über den Platz um irgendeinen Menschen zu finden, der uns helfen kann. Leider findet er niemanden mit einem Auto, jedoch die Besitzerin des Platzes, die in einer kleinen Hütte am Strand wohnt. Sie lädt uns auf einen Tee ein und spart dabei nicht mit Vorwürfen, wie man bei so einem Wetter mit einem kleinen Baby unterwegs sein kann. Die nette alte Dame ist aus Deutschland und lebt seit vielen Jahren in Dänemark. Liebevoll hängt sie unsere nassen Sachen über ihren kleinen Bollerofen, während wir uns mit einer heißen Tasse Tee von innen aufwärmen. Rührend spielt sie mit Paul und erzählt uns dabei viele Geschichten aus ihrer bewegten Vergangenheit.

Solche Momente sind es, die uns immer wieder reisen lassen. Die Begegnung mit Menschen, die etwas zu erzählen haben. Das Erfahren von Hilfsbereitschaft, wie wir sie in unserem Alltag kaum noch erleben. Das Kennenlernen von Menschen, die anders sind, und mit denen man in unserem alltäglichen Leben niemals in Kontakt kommen würde. Geht man hinaus und wählt man eine unkonventionelle Art zu reisen, öffnet sich einem eine neue Welt, die einen immer wieder staunen lässt. Staunen darüber, dass es doch noch etwas gibt, was uns als Menschen zusammenhält: Menschlichkeit!

 Anmerkung von Paul: Dito! Wem habe ich nichts hinzuzufügen. Nur eines: Die Kekse der alten Dame waren wirklich sehr lecker.

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